Polarbären gewinnen

Zynischer geht’s wohl kaum: ein großer Getränkekonzern wirbt derzeit mal wieder mit Eisbären – bzw. Polarbären für sein koffeinhaltiges Erfrischungsgetränk. Warum? Weil es in der Arktis so ‘erfrischend’ ist? Weil Eisbären so ‘süß’ sind? Vermutlich beides. Egal. In diesem Zusammenhang verlost die Firma jedenfalls 100.000 Stofftiere – Polarbären – ca. 10cm groß. Der Slogan “1 von 100.000 Polarbären zu gewinnen” ließ mich stutzig werden. Wieviele Eisbären gibt es eigentlich überhaupt noch? Also ‘echte’ Eisbären – in freier Wildbahn? Ein kurzer Besuch auf der Webseite des WWF bringt Klarheit: weltweit gibt es nur noch ca. 20.000 bis 25.000 Exemplare dieser vom Aussterben bedrohten Tierart! In der Werbekampagne werden also vier- bis fünfmal soviel Plüschbären verschenkt, als es lebende Exemplare gibt?! Un-f*cking-faßbar!

Und wo / und wie wurden diese Plüschbären eigentlich hergestellt? Besonders hoch dürften die Produktionskosten jedenfalls nicht gewesen sein. Lieber nicht fragen…

Wieso nicht das nächste mal eine Werbekampagne mit Tierschutzgedanken? Zum Beispiel “Retten Sie 1 von 20.000 Polarbären”?! Man könnte sich ja auch für bessere Arbeitsbedingungen von Plüschtiernäherinnen einsetzen?! Der Konzern könnte sich mit limonadengesüßter Stimme für faire Löhne, sauberes Trinkwasser, Bildung etc. einsetzen? Mir würde das Gesöff dann vermutlich noch ein bisschen besser schmecken. Im Moment hinterläßt das Getränk bzw. die Werbekampagne bei mir jedenfalls einen etwas bitteren Nachgeschmack.

Das Gewinnspiel verlinke ich jetzt hier natürlich nicht.
Stattdessen ein Link zur Eisbären-Infoseite des WWF:
www.wwf.de/themen-projekte/artenlexikon/eisbaer

PS: Natürlich kann man sich auch ohne Getränke-Gewinnspiel für Eisbären und andere bedrohte Tierarten engagieren! WWF, BUND, Greenpeace, Sea Shepherd und viele weitere Organisationen freuen sich sicherlich über jeden Beitrag…

User Experience vs. Web Design vs. Produkt Design – eine Diskussion am Rande…

…am Rande des Internets? …am Rande des Wahnsinns? Hm. Blöder Titel? Ich weiss. Überschriften zu designen texten gehört nicht unbedingt zu meinen Kernkompetenzen. Ursprünglich lautete der Arbeitstitel “Drei Disziplinien, ein Thema (‘Design’)”. Ein bisschen sehr trocken. Wie auch immer.

Ich bin ja eher selten auf LinkedIn – eine Diskussion hat mich dann aber doch ‘angezogen’. Es dreht sich um Design – um den Design-Begriff – um die Frage, was ist Design? Konkret geht es um dabei um User Experience, um Webdesign, um Produkt Design – und so interessant die Diskussion auch ist, so skuril, fast schon grotesk erscheint sie mir – was sie dann irgendwie auch wieder zusätzlich interessant macht.

Noch mal zur Erinnerung: ich habe ursprünglich Produkt Design an der UdK-Berlin studiert. Irgendwann Mitte der Neunziger erkannte ein Professor dann zu Glück, dass es mittlerweile auch digitale Produkte gab. Und auch digitale Produkte verlangen nach einer Form, einem User Interface, einer Gestalt. Und ähnlich wie bei Stuhl, Tisch und Lampe beschränkt sich das Design von digitalen Produkten natürlich nicht auf die Gestaltung von Oberflächen. Form follows function! (Tschuldingung, aber das musste mal wieder gesagt werden). Es gibt keine Form ohne Funktion – zumindest nicht ausserhalb der Kunst. Selbst eine Dekoration, also eine auf den ersten Blick vielleicht ‘nutzlose’ Form, folgt diesem Muster und erfüllt eine Funktion: sie kann eine Stimmung, ein Gefühl, einen Stil ausdrücken und damit das Produkt in einem Kontext platzieren. Auch das ist eine Funktion – auch das ist Design – auch das ist letztendlich Teil der Unser Experience. (Funktionalisten mögen an dieser Stelle widersprechen und ggf. “Kitsch!” rufen.)

Man sollte sich jedoch davor hüten, die verschiedenen Disziplinen durcheinder zu werfen – oder gar zu meinen, die eine würde duch die andere ersetzt. Und genau das ist das ursprüngliche Thema dieser mir grotesk erscheinenden Diskussion mit dem Titel “User experience isn’t web design. User experience is product design.” Ist ja beides irgendwie richtig, aber so einfach ist es dann eben auch wieder nicht

Die Diskussion bezieht sich ursprünglich auf einen längeren Artikel mit dem Titel “The Death of Web Design“. Darin behauptet der Autor, man benötige ja gar kein Webdeisgn mehr – es gäbe ja genug ‘freie’ Templates. Ach so? Ja und Kraftwerke und Energiewende sind dann auch überflüssig – der Strom kommt ja aus der Steckdose.

Tschuldigung, aber da komme ich nicht mehr mit. Werden soche Artikel nun geschrieben, um Page-Impressions – und ggf. auch noch Back-Links zu generieren? Oder will der Autor will der Autor uns wirklich etwas sagen? (Ich zögerte zuerst ein wenig, auf den Artikel zu verlinken – denn dann hätte würde ich ja auch noch weitere Page-Impressions und Back-Links generieren.)

Ich denke ich verstehe, was der Autor sagen möchte – aber ich möchte widersprechen. So einfach ist es nämlich nicht. An dieser Stelle verweise ich mal lieber auf den Artikel “Product Design Unification Case Study: Mobile Web Framework“, der gerade beim Smashing Magazine erschien und in dem Yury Vetrov detailliert darüber berichtet, wie einer der größten russischen Internetdienste Mail.Ru seit einiger Zeit dabei ist, Design- und Entwicklungs-Prozesse zu optimieren. Und so, wie ‘klassische’ Designer auch wissen sollten, wie man eine Säge bedient, sollten UX-Designer, UI-Designer, Webdesigner etc. heute vielleicht auch wissen, wie Code funktioner. Oder um es mit Yury Vetrovs Worten zu sagen:  “Designers will work in code“.

IMHO
User Experience is User Experience.
Product Design is Product Design.
Web Design is Web Design.

Hier der Link zur Diskussion auf LinkedIn:
User experience isn’t web design. User experience is product design.

lieber erst mal ohne Flash

Nach dem letzten Alarm habe ich meinen Flash-Player bzw. mein Flash-PlugIn immerhin auf “immer fragen” gestallt, so dass ich nur bewusst Flash-Filme geladen habe. Erst dachte ich, das wäre übertrieben – aber es war wohl doch richtig: denn jetzt ist wieder eine kritische Sicherheitslücke im Flash-Player bekannt geworden.

Heise News berichtet, dass der Exploit auf dem populären Video-Portal DailyMotion entdeckt wurde. Ausserdem sind je nach Player-Version wieder die drei Betriebssysteme Windows, Macintosh und Linux betroffen. Ein Patch soll diese Woche erscheinen.

Ich werde aber ist auf weiteres mein Flash-PlugIn nur dann starten, wenn es wirklich sein muss. Hier schnell ein Screenshot der vielleich für diejenigen hilfreich sein kann, die Ihren Firefox ebenfalls so einstellen wollen:

Mac-OS Firefox Flash Player deaktivieren

Flash auf Mac-Safari und Chrome deaktivieren

Weiterlesen

Staatsverschuldung dank Rechenfehler überbewertet

Bereits im Juli 2013 erschien in der Wochenzeitung DIE ZEIT ein aufschlussreicher Artikel zum Thema Staatsverschuldung und Euro-Krise (Ausgabe  Nº 27/2013). Unter dem Titel “Verrechnet” hatten Marc Brost, Mark Schieritz und Wolfgang Uchatius zusammengetragen, was sich Monate bzw. Jahre zuvor in den USA zugetragen hatte ein Student entdeckt einen Rechenfehler in einer Tabellenkalkulation, die Grundlage für die Bewertung von Staatsschulden ist und somit großen EInfluß über die Zukunft verschuldeter Staaten hat.

Der Artikel liest sich wie ein Krimi – fast wie ein Thriller. Bitter nur, dass er auch heute noch so altuell ist. Online kann man den Artikel hier im Print-Archiv von ZEIT ONLINE lesen:
www.zeit.de/2013/27/staatsverschuldung-rechenfehler-thomas-herndon

PS: EIgentlich wollte ich ja ein Fragezeichen hinter die Überschrift setzen – aber das würde ja andeuten, daß ich Zweifel an der Geschichte hätte – und die habe ich leider nicht. Sieht so aus, als hätten wir uns eine Menge Ärger ersparen können. Im schlimmsten Fall sind wir aber sogar jahrelang in die falsche Richtung gelaufen – und die “Hilfmaßnahmen” haben die Schuldenkrise / Euro-Krise verschärft? Ha – an dieser Stelle ist ein Fragezeichen erlaubt.

PayPal “verdächtige Zahlung” (Fake-Email / Scam)

Am Wochenende kam dann auch noch eine Email von “Paypal” mit der Betreffzeile “PayPal – Verdächtige Zahlung über 1.229,00 EURO an xxxxxxxx aufgefallen!“. Ich bin bei solchen Emails eigentlich schon von vorneherein eher skeptisch – aber diese Email war echt ziemlich gut gemacht. Kaum Rechtschreibfehler, und in der Email stand mein vollständiger Name mit passender Email-Adresse. Wow! Als Return-Path war “service@paypal.com” eingetragen und selbst die Grußzeile “Ihr Team von PayPal” klingt zwar holprig, aber ist im PayPal-Stil. EIn Blick auf die Message-ID zeigte dann aber eine Quatsch-Adresse  und die Link “Klicken Sie hier zum Bestätigen Ihrer Daten” führt erwartungsgemäß zu einem nicht-PayPal-Server.

Also – Email nur mit spitzen Fingen anfassen, direkt in den Müll – und anschliessend Hände waschen nicht vergessen. Abschliessend noch schnell die Mail an PayPal weiterleiten – die freuen sich… Hier und hier die PayPal-Seiten zum Thema Scam / Spoof / Phishing mit Tipps und Hinweisen und entsprechender Email-Adresse zum weiterleiten von “verdächtigen Emails”. Ach ja: Liebe Scammer, liebe Phisher, nächstes mal bitte gleich “verdächtige Email” in die Betreffzeile schreiben. Danke!

Hier ein Screnshot von der Email:

Paypal Fake-Email Rechnung-Warnung

Zum Thema: Superspam: Trojaner kam als ‘IKEA Rechnung’

Sicherheitslücke im Flash-Player geschlossen

Letzte Woche wurde über eine ziemlich ernste Sicherheitslücke im Flash-Player berichtet, die es Angreifern ermöglichte, beliebigen Code auf angegriffenen Rechnern zu spielen. Um sich mit einem entsprechenden bösen Code zu infizieren genügte es, eine entsprechend versuchte Webseite mit einem angreifbaren Flash-Player zu besuchen. Laut heise. de betraf das Problem alle drei populären Betriebssysteme Windows, Mac OS und Linux.

Jetzt hat Adobe die Sicherheitslücke geschlossen und eine neue Version des Flash-Plugins veröffentlicht, die sich per Auto-Update oder auch manuell installieren lässt.

Hier weitere Details zum Vorfall bei adobe.com – und hier kann man seine Flash-Version testen und ggf. aktualisieren.

Bookmarks: Datenvisualisierung, Hoverboard, Mondlandung etc.

Es ist Oktober – die Blätter fallen von den Bäumen und ich nutze einen ruhigen Abend, um mal wieder ein paar Tabs zu schliessen. Und damit mir die Seiten, Artikel und Videos nicht durch die virtuellen Lappen gehen lege ich wieder eine Bookmark-Liste an… Frei nach David Bowie: I’ve got to write it down, so it won’t be forgotten…

Und dann noch – Wiedervereinigungslongforms bei der Berliner Morgenpost (”Die Narbe der Stadt“) und ZEIT ONLINE (”Das geteilte Land“), die mit unterschiedlichen Scroll-Techniken und Medientypen überzeugen

  • Bei der Morgenpost wurden für das Longform Die Narbe der Stadt über 700 historische Luftbilder der geteilten Stadt Berlin zu einem großen Bild zusammengefügt und mit aktuellem Kartenmaterial ’synchronisiert’ und an einer Wanderung festgemacht. An verschiedenen Hotspots (z.B. Brandenburger Tor) kann man tiefer in die Geschichte einsteigen und zwischen historischem und aktuellen Bildmateriel hin- und herschalten.
  • Im Longform Das geteilte Land erfährt man durch eine Reihe ansprechend aufgearbeiteter Infografiken, wie das Land auch heute noch geteilt ist: nach Einkommen, nach Größe von Agrarbetrieben, nach Häufigkeit des Namens ‘Ronny’.

Dann ist auch endlich noch die Plattform Krautreporter.de gelauncht worden. Hurrah. Der Start des Online-Journalismus-Portals wurde bereits vielerorts kommentiert – solange die Webseite auf meinen iPhone4 / iOS6 vollkommen unbrauchbar verkneife ich mir jegliche Kritik. Das muss sich wohl erst mal einschleifen…
Ach ja: und in Ungarn sorgt eine neue Internetsteuer für Unruhe im Netz und auf den Straßen: zehntausende haben am vergangenen Wochenende gegen einen Gesetzentwurf demonstriert, der die Besteuerung von Internetnutzung nach Volumen vorsieht. Für ein Gigabyte übertragener Daten sollen demnach künftig umgerechnet 49 Cent Steuern anfallen. Ganz nebenbei würde damit natürlich die Einrichtung von Technik notwendig werden, die es dem Staat erlauben würde, den Internetkonsum jedes Einwohners (jedes Nutzers) auf Bit und Byte genau nachvollziehen zu können. So würden Techniken für Überwachung und Zensur durch die Hintertür plötzlich offiziell und legitimeingerichtet und betrieben – und die ‘normale Internetnutzung’ zur Kostenfrage. Fortschritt sieht anders aus.
heise.de/newsticker/meldung/Internet-Steuer-Zehntausend-Ungarn-protestieren…

Na dann – viel Vergnügen weiterhin…

Oh Nachbar! Mein Nachbar!

Mein Nachbar ist ungefähr über sechzig Jahre alt, ca. 1,80m groß, vermutlich 100kg schwer, hat dünnes graues Haar – und er kann ganz gut sprechen. Aber wir wollen uns hier nicht mit Äusserlichkeiten aufhalten.

Soweit ich weiss ist Tschechisch seine Muttersprache. Englisch (Amerikanisch!) kann er vermutlich besser, als Deutsch. Und die Zähne, die nicht immer auf seiner Seite sind, machen ihm die Ausch-schprache nicht einfach.

Mein Nachbar fängt mich manchmal vor der Tür ab – und erzählt mir dies und das und jenes. Und er erzählt gerne – und ungefragt. Das macht ihn durchaus sympathisch – das lässt aber auch unsere Begegnungen zu Zeitfallen werden, die es im allgemeinen Arbeitsalltag zu umschiffen gilt. Ich verabschiede mich dann gerne (ungerne) mit einem entschuldigenden “Ich muss dann mal…”. Keine Ahnung, was mein Nachbar dann denkt. Jeder muss ja mal – irgendiwe – irgendwas – irgendwohin. Ich bin entschuldigt, und darf wieder an den Schreibtisch.

Heute dachte ich mir aber, dass ich ausnahmsweise mal so lange ‘bleibe’, bis mein Nachbar sich verabschiedet. Interessante Variante. Vorübergehend beschlich mich natürlich die Befürchtung, dass das Spiel SO nicht funktionieren würde. Aber es funktionierte dann doch. Er musste dann mal – irgendiwe – irgendwas – irgendwohin.

Und früher? Ja früher war vieles anders. In Tschechien – in Russland – in der DDR. Aber auch in Österreich. Da hat mein Nachbar Geschäftsbeziehungen gepflegt – im Computer-Business. IBM? Klar.  Kennt jeder. Robotron? Tüllich! Ist geläufig! TNS!?¿ Nie gehört. DNS? TMF? TNF? Mir fehlt offensichtlich ein Legostein im 80er-Jahre Computer-Set.

Ach ja – und die Reichsbahn. Mein Nachbar hat seine Modelleisenbahn re-aktiviert. Nun möchte er ein Bild malen – ein Hintergrundbild. Mit Farben (”Pharrrpenn”) auf Papier (”Papiierrr”). Schon verstanden. Super Idee. Möchte ich mir aber erst ansehen, wennÄs fertig ist. Und früher gab es keinen ICE?! …ok, ja, das wusste ich bereits.

Ja und “Der Dicke in Bayern” (”Strauß?” – “JA – Strrrausss!!!”) war ein Geschäftspartner. Von Robotron? Nein – Von Tschechien. Ach so :) Aber eigentlich war Österreich viel wichtiger, als die BRD (”Beh-Errr-Deehh!”) und dann waren die USA natürlich noch wichtig. Daher auch die guten Englishc-Kenntnisse. Und Russland? Die “Sowjet-Union!!” (mit amerikanischem Akzent) war wichtig, aber “Sch-schwierrrigg!!”. Ok.

Ja und morgen ist Tag der Deutschen Einhait. Und was macht mein Nachbar? Hat sich gerade Zigaretten gekauft – morgen muss er neue kaufen. Der Späti wird wohl aufhaben. Glück gehabt.

Bookmarks: UX, ISS, Dronen, Fluxkompensator

Zeit für einen Neustart – und da mache ich dann auch gleich ein paar Tabs zu. Ein paar Sachen/Seiten/Videos will ich mir aber vielleicht auch später noch mal ansehen – daher hier eben die Links als öffentlich zugängliche Bookmark-Liste:

  • UX is Dead! Da schliesst sich für mich mal wieder ein kleiner feiner Kreis. Ich versuche mal in zwei Sätzen zu beschreiben, worum es geht: im Grundstudium (Industrial Design, UdK Berlin) brachte man uns bei, die Dinge strategisch, abstrakt, ganzheitlich zu betrachten. Nicht das Ding selbst, sondern die Funktion, die Aufgabe des Dings musste zunächst ergründet werden – anschliessend die Gestaltung entsprechend der Funktion gestaltet: “Form follows Function”. In eine ähnliche Richtung geht der Text von Paul Gibbin. Dabei öffnet er das UX-Design-Feld in Richtung Strategisches Design und kommt schliesslich zum Service Design… Der Titel “UX is dead!” ist eigentlich nicht passend – aber natürlich wunderbar provovierend. Das weiter Feld der User Experience – von der UX-Konzeption bis zum UX-Deisgn ist alles andere als tpt. Aber es ist wichtig, sich hin und wieder über die ROlle des UX-Designs klar zu werden – und dass UX immer nur ein Teil, wenn auch ein sehr konkreter Teil eines Großen Ganzen ist.
    Ich weiss, das ist jetzt alles nicht wirklich umwerfend neu – und es gibt jede Menge Bücher und Aufsätze und Vorträge zum Thema. Aber dann ist es doch auch ma ganz schön, den ganzen Salat in einem überschaubaren und gut verständlichen Text nachzulesen. Und besonders erfrischend ist die anschliessend Dikussion in der Kommentarliste.
    UX is dead! Long live UX!
    www.weareexperience.com/ux-is-dead
  • UX-Design ‘für Beginner’: UX-Designer Catt Small hat eine Fragen- und Antwortenliste verfasst, die für angehende UX-Designer interessant sein dürfte: “Advice for New UX Designerscattsmall.com/2014/05/advice-for-new-ux-designers via Kollege @gona
  • Online vs. Print: “Journalismus mit und ohne Kapuze – Print und Online: Das hinterletzte Gefecht” lautet die Überschrift eines Tagesspiegel-Artikels, der zusammenfasst, was sich hinter der sohn. Hoodie-Journalismus-Debatte verbirgt. Interessant – nicht nur für Leute mit Kapuzenpulli:
    www.tagesspiegel.de/medien/digitale-welt/journalismus-mit-und-ohne-kapuze-print-und-online-das-hinterletzte-gefecht/9685336.html?mobile=false
  • Digital Natives: “Liebeserklärung an das Internet Offline bin ich nur, wenn ich schlafe” auf stern.de: www.stern.de/digital/online/liebeserklaerung-an-das-internet-offline-bin-ich-nur-wenn-ich-schlafe-2092881.html
  • Streichholz-Space-Station: Pat Acton hat die ISS im Maßstab 1/13 aus ca. 280.000 Streichhölzern nachgebaut – inklusive Space Shuttle: “Man makes giant 13.4-foot-long space station with 282,000 matchsticks”
    Die Geschichte bei Gizmodo: sploid.gizmodo.com/this-model-space-station-used-282-000-matchsticks-and-8-1572860171
    Die ISS im Matchstick Marvels Museum, Iowa – inklusive Fotos von der Bauphase: www.matchstickmarvels.com/in-the-works
  • Dronen-Orchester: “Flying Robot Rockstars” – eine Gruppe Dronen spielt “Also sprach Zarathustra” (Filmmusik zu Kubricks 2001 a space odyssey / Odyssee im Weltraum) bei Wired.com: “Watch Drones Play the 2001: A Space Odyssey Theme” www.wired.com/2014/04/watch-a-some-drones-play-the-theme-from-2001-space-odyssey/ und bei YouTube: www.youtube.com/watch?v=Qlqe1DXnJKQ
  • Fluxkompensator kaufen: den “Flux Capacitor Car Charger” kann man bei ThinkGeek bekommen. Der Fluxkompensator sieht natürlich aus wie ein Fluxkompensator, blinkt, passt in jeden Zigarettenanzünder / Auto-Strombuchse und kann über USB zwei Geräte laden. Und natürlich handelt sich dabei um einen offiziell lizensierten Back to the Future Merchandize Artikel www.thinkgeek.com/product/1ba1/
  • NYC-Video-Flüge: Testflüge mit Kamera-Drone in New York City “First Flight Of The Phantom” von Nicolas Doldinger http://vimeo.com/70321282
  • Die Stimme von Siri: die Frau, die Siri ihre Stimme gab “Meet Susan Bennett, the Real Voice Behind Siri”  http://technorati.com/technology/article/meet-susan-bennett-the-real-voice/
  • Wahrsager-Fehlanzeigen: eine Sammlung einiger der schiefgelaufendsten Vorhersagen. Dabei ist schon der Begriff “Vorhersagen” hier falsch, weil ja eben nichts vorhergesagt wurde bzw. nichts von dem eintraf, was vorhergesagt wurde: “Some of the Worst Failed Tech Predictions Ever” sploid.gizmodo.com/some-of-the-best-foot-in-mouth-quotes-you-will-ever-rea-1561510802/1561525530
  • Firefox Classic Theme: seit dem Update auf Firefox 29 sah der gute Fuchs nicht mehr so richtig gut aus – die Tabs zu rund und un-getrennt, irgendwie zu Chrome-ig. Aber es gibt ja für alles ein Plug-In:  Classic Theme Restorer (Customize Australis) 1.1.8 von Aris addons.mozilla.org/de/firefox/addon/classicthemerestorer

Tagesschau im neuen Design

Wow: 23,8 Millionen Euro hat das neue Studio der Tagesschau gekostet. Da kann ich zur Feier des Tages ja auch mal einen etwas längeren Beitrag schreiben.

23,8 Millionen Euro – das entspricht ungefähr 1,3 Millionen GEZ-Monatsberiträgen – oder umgerechnet 110.000 Jahren GEZ-Gebühr. Immerhin wird das neue Studio wohl wenigstens die nächsten 10 Jahre ‘DAS’ deutsche Nachrichtenstudio sein – mit diesem Hinweis wurde uns das neue Studio in der heutigen Ausgabe der Tagesschau zumindest vorgestellt. Ob das neue Studio dann wirkich 10 Jahre lang hält, werden wir in 10 Jahren wissen – oder früher.

Aber zum Ostersamstag gab es nicht nur ein neues Sudio zu sehen: das gesamte Sendungsdesign, also Screen-Design. Infografiken, Wetterkarte, Fussball-Tabelle, Opening-Animation und sogar die Tagesschau-Hymne wurden überarbeitet – bzw. neu gestaltet. Aber der Reihe nach…

 

Die 18m lange Medienwand

Die auffälligste technische Neuerung ist vermutlich die knapp 18m lange Medienwand, auf die großflächig Bilder, Videos, Infografiken und andere Zusatzinforationen projiziert werden können, um so Nachrichten, Geschichten und Berichte mit Zusatzinformationen live im Studio anzureichern. Oder sollte man sagen ‘aufzuhübschen’? Vor allem für längeren Formate – die Tagesthemen und das Nachtjournal dürfte diese technische Neuerung interessant sein. Bei der Tagesschau ist der Vollbild-Hintergrund zunächst ein wenig gewöhnungsbedürftig – der Mehrwert nicht gleich zu erkennen.

Sicherlich mag es von Vorteil sein, dass der Moderator nun dasselbe Bild sehen kann, wie die Zuschauer (zumindest wenn er sich während der Sendung der Medienwand zuwendet) und bestimmt gilt irgendiwe auch der Grundsatz “mehr ist mehr”. Aber wenn der Hintergrund bzw. das Bild zur Meldung nun nicht mehr freistehend eingerahmt ist, lässt sich eine Interaktion mit dem Moderator kaum vermeiden. Auf der Medienwand gezeigte Köpfe erscheinen größer, als der Moderatorenkopf, der Moderator sitzt plötzlich mitten im Geschehen – mitten in der Nachricht. Das bedeutet aber auch, dass der Moderator einen großen Teil des Bildes verdeckt. Dabei ist der untere Teil schon von Text überlagert. Das lenkt ab – das nachrichtliche Bild wird zum dekorarativen Bild – die visuelle Dokumentation wird zur Dekoration. Zum Glück scheint es für schwierige Bilder auch eine zweite Einstellung zu geben: Bilder, die sich nicht für eine Überlagerung bzw. als vollflächiger Hintergrund eignen werden dann nicht vollflächig aufgezogen, sondern sitzen oben links in der Ecke. Immerhin.

Helligkeit / Kontrast

Zudem haben die Bilder einen etwas geringen Kontrast, als früher. Das ist vermutlich nicht Absicht, sondern der Projektionstechnik zu ‘verdanken’ ist. Es ist technisch einfach schwierig, einerseits den Moderator optimal auszuleuten, andererseits rückwärtig Bilder und Texte zu projizieren. Eine Frage von Licht und Gegenlicht. Dreht man die Beamer auf 11 sitzt der Moderator plätzlich im Schatten – im Gegenlicht.

Ob gewollt oder nicht – der geringe Kontrast bzw. die blassen Farben geben der Präsentation einen gewissen Retro-Look. Cool. Aber durch die unterschiedliche Tiefe (der Moderator sitzt nun physisch wahrhaftig VOR dem Bild) scheint das Bild sowie der Infoträger (Schlagzeile und Meta-Headline) auch leicht unscharf zu sein. Nicht cool.

Immerhin können sich die Moderatoren nun auch frei durchs Studio bewegen – oder – müssen sie sich jetzt frei bewegen? Caren Miosga sah jedenfalls irgendiwie nicht so richtig begeistert aus, als sie darauf hinwies, dass man künftig auch ihre Beine und wohlmöglich sogar ihre Füße sehen würde. Der Tagesschau-Crew bleibt das zunächst wohl erspart.
Am Bauch nach unten hin abgeschnitten zu sein kann ja auch ein gewisses Maß Freitheit bedeuten: Moderatorin Judith Rakers hatte auf ihrer Facebook-Seite vor kurzem Einblicke ein Foto gepostet, auf dem man sie in voller Größe sehen konnte: oberhalb der Tischkante im seriösen Blazer, unterhalb des Tisches in Röhrenjeans und Boots.
Werden die Nachrichten dadurch besser? Ja – und nein. Natürlich ändert ein technisch hochgerüstetes Studio nichts an der eigentlichen Meldung – und hoffentlich auch nichts an der journalistischen Leistung – aber die Meldung lässt sich unter Umständen besser erzählen, besser erklären, besser einordnen. Oder zumindest zeitgemäß präsentieren.
Ach ja: die Möbel: der neue Tagesschau-Tsch erinnert ein wenig an den heute-Tisch des ZDF? Das kann gut sein – die Gestalltung stammt in beiden Fällen von dem Designer Jürgen Bieling bzw. seinem Münchener Designbüro Bieling Design (www.billionpoints.de).
Die erste Sendung aus dem neuen Studio wird am Ostersamstag 2014 zu sehen sein.

Neue Anfangsmelodie

Ja, und auch die Tagesschau-Hymne wurde dann auch gleich neu komponiert – oder zumindest überarbeitet – und klingt jetzt etwas geschmeidiger, etwas softer, weniger fanfarig, mehr Teppich. Die aktustische Sendungskennung von Tagesschau 24 ruft bei mir allerdings irgendwie die Assoziation “Rechner wird hochgefahren” hervor: irgendwas zwischen Windows XP und Apple OS 9. Dabei meine ich das durchaus als Kompliment – immerhin stammt der XP Klang ja von Brian Eno, und der Klang eines frisch gestarteten Apple Computers ist einer der schönsten System-Sounds, die mir bisher begegnet sind. Und nun reiht sich also Tagesschau 24 in diese Klang-Reihe ein – nicht schlecht. Vor allem verschwindet damit auch das nervige “Tääh-Tääh” Singnal, das bisher die Kurznachrichten markierte.

Ein Studio für alle Formate

Ach ja: die eigentliche Neuerung bleibt aber auf den ersten Blick aber verborgen: nicht nur das Design und das Audio-Branding der Tagesschau, der Kurznachrichten Tagesschau24 UND der Tagesthemen wurden überarbeitet – nun werden alle drei Formate auch in demselben Studio produziert. Damit wird das neue Studio eigentlich rund um die Uhr genutzt.

Meinungen

Und was sagen die Zuschauer? Was sagt das Publikum? Was sagt die Presse? Die Meinungen könnten kaum weiter auseinander gehen. Für manche scheint eine Welt zusammen zu brechen – andere begrüßen die Neugestaltung, das neue Studio, die neue Melodie, das Face-Lift, das Re-Design. Aus bei der Wahl der Bezeichnungen herrscht Uneinigkeit.

Die Berliner Morgenpost befindet, die Tagesschau-Melodie sei ‘zu viel des guten’. Bei der Modernisierung sei man über das Ziel hinaus geschossen, zu viel Streicher, zu viel emotionaler Schmelz. Unter der Überschrift “Wenn die ‘Tagesthemen’ zum Hollywood-Melodram werden” werden auch gleich die Gründe ausgelotet: Komponist Henning Lohners habe bislang eben vorwiegend Musik für Kinofilme geschrieben.
www.morgenpost.de/…/Wenn-die-Tagesthemen-zum-Hollywood-Melodram-werden.html

Bei Spiegel Online ist man schon etwas wohlwollender gelaunt: der einläutende Gong klinge irgendwie fernöstlich – “Gut so”. Wer die Tagesschau verändere, der verändere auch die Inneneinrichtung Millionen deutscher Haushalte – und da könne ein wenig Feng-Shui nicht schaden.
www.spiegel.de/kultur/tv/tagesschau-neues-studio-der-nachrichten-in-der-ard-…
Und was sagen die Zuschauer? Wenn man die Kommentare des Tagesschau-Blogs durchscannt bekommt man einen ganz guten Eindruck: die Meinungen gehen zum Teil weit auseinander. Ich verkneife mir hier jetzt mal eine Zusammenfassung.
meta.tagesschau.de/id/84528/die-neue-tagesschau-tradition-trifft-zukunft
Ach ja: Zitat des Abends: Jan Hofer: “Ich wusste nicht, dass ich noch mal so nervös sein kann.”

Siehe auch:

“Neues Tagesschau-Studio – Bewährter Inhalt, neuer Look”
www.tagesschau.de/inland/studio140.html

“Neues Tagesschau-Studio – Jetzt geht’s los”
www.tagesschau.de/inland/studio102.html

“Im neuen Tagesschau-Studio gibt es Caren Miosga auch mit Füßen”
www.morgenpost.de/berlin-aktuell/article127021269/Im-neuen-Tagesschau-Studio…