Radio-Kritik: Coverversionen von California Dreamin‘

Eben spielte Radioeins eine Coververion des Klassikers California Dreamin‘ – in einer Version von Bobby Womack.

Im Original ist der Song von The Mamas and the Papas. Soweit so gut. Dann sagt die Moderatorin, dass es sich dabei um einen häufig nachgespielten Song handele – es gebe 56 Coverversionen.

Als aktives Mitglied einer kleinen Band stieg bei mir gleich der Blutdruck, als diese Zahl einfach so als absolute Zahl präsentiert wurde. „Es gibt 56 Coverversionen“. Das ist falsch. Und für dieses Urteil muß ich nicht mal nachdenken. Richtig wäre gewesen: „Die deutsche Wikipedia-Seite zu California Dreamin‘ gibt an, dass es 56 Coverversionen des Songs gibt“ oder „mindestens 56 Versionen“ oder so ähnlich. Also entweder Quelle angeben – oder wenigstens die Zahl nicht als absolute Wahrheit präsentieren.

Jeder, der mal in einer Band gespielt hat, oder auch nur entfernt mit Musikern zu tun hatte sollte doch wissen, dass es im Prinzip zu jedem halbwegs bekannten Song zahllose Coverversionen gibt. Natürlich wurden nicht alle Coverversionen im Studio aufgenommen – und nicht alle im Studio aufgenommen Versionen wurden veröffentlicht. Und nicht alle veröffentlichten Versionen wurden bekannt. Und nicht alle bekannten Versionen sind in der deutschen Wikipedia zu finden. Im Verzeichnis www.whosampled.com sind zum Beispiel zurzeit 74 Versionen zu finden. Es dürfte aber noch sehr viel mehr geben.

Ich würde mir ein wenig mehr Sorgfalt wünschen – auch bei so kleinen Details. Sorgfalt würde in diesem Falle Vorsicht bedeuten. Kein Mensch kann sagen, wieviele Coverversionen es von diesem oder jenem Song gibt. Wer behauptet, das zu wissen, erscheint mir wohlmöglich auch bei anderen ‚Wahrheiten‘ als wenig glaubwürdig.

Liebe AKK

ich kenne mich leider nicht so gut aus, was den Karneval und all seine mir merkwürdig erscheinenden Rituale und Regeln angeht. Meine Oma, die im hohen Alter ein zarter Flaum von Oberlippenbärtchen schmückte, war zwar Kölnerin – daher hatte ich gegenüber anderen Nachbarskindern immer schon so etwas wie einen kleinen Wissensvorteil. Aber so richtig habe ich das offenbar nicht verstanden.

Ich dachte immer, beim Karneval ginge es darum, dass sich Außenseiter über die Herrschenden lustig machen dürften – und nicht umgekehrt?! Naja, inzwischen ist offenbar vieles möglich. Bei der Bestimmung von Geschlechterrollen sind wir ja inzwischen zum Glück auch schon ein Schrittchen weiter – zumindest in Berlin – so verstehe ich jedenfalls Teile Ihrer Darbietung.

Aber zurück zum Karneval. Ich weiß zum Beispiel nicht, ob man am Aschermittwoch eigentlich traditionell noch „schlechte WItze“ machen darf. Also zum Beispiel Rassistische WItze? Homophobe Witze? Altersdiskiminierende Witze? Ich vermute schon. Zumindest darf man doch unter dem Karnevals-Deckmantel ein bisschen unter die Gürtellinie treten, oder? Na – ich versuche es einfach mal. Ich bin aber nicht sicher, ob mir das gelingt – ich bin ja genetisch betrachtet nur 1/4 Rheinländer.

Zuerst mal ein offenes Wort in aller Freundlichkeit: Liebe Frau Annegret Kramp-Karrenbauer, Ihre Hetero-normative Hasspropaganda – öhm – Ihre Büttenrede – ist in Berlin überhaupt nicht gut angekommen. Aber vielleicht lässt sich Ihr Ausrutscher auch irgendwie erklären… Vielleicht haben Sie selber ja nicht verstanden, wie Karnevals-Humor funktioniert? Immerhin stammen SIe ja ’nur‘ aus dem Saarland – da macht man sich ja vielleicht das ganze Jahr lang über über die Herrschenden lustig – nur zum Karneval wird mal auf die Außenseiter, die Schwachen, die Hilfbedürftigen getreten. Oder wars eventuell der Alkohol? Oder Sie werden einfach alt – und so langsam setzen sich zunehmend die männlichen Hormone durch? Letzerer Erklärungsansatz erscheint mir am wahrscheinlichsten – denn solche Macho-Sprüche würde ich einer Frau eigentlich gar nicht zutrauen. Ja, vermutlich waren es die Hormone.

Auch bei mir spielen die Hormone manchmal verrückt. Dann setze ich mich zum Pinkeln hin,  genieße erstmal einen Latte-Macchiato und weiß plözlich gar nicht mehr, ob ich Männchen oder Weibchen bin. Und eigentlich ist es mir auch scheißegal. Ich wünschte, es würde keinen Unterschied machen, mit welchen primären Geschlechtsmerkmalen man nun diesen Planeten betreten hat. Es sollte in der Ausbildung, bei der Berufswahl, beim Lohn, bei der Rente und sowieso einfach mal grundsätzlich keinen Unterschied machen. Und ich hatte ja eigentlich gedacht, wir wären da auch schon einen Schritt vorangekommen.

Aber vielleicht sind wir ja auch schon weiter, als mich das Ihre ‚Entgleisung‘ vermuten läßt. Vielleicht dürfen ja Frauen jetzt auch Macho spielen – zumindest zur Karnevalszeit?

Eigentlich ist es mir ja auch egal. Ich würde Ihnen aber dringend empfehlen, mal nach Berlin zu kommen und einen Latte-Macchiato zu schlürfen. Und wenn Sie möchten, dürfen Sie in Berlin auch im Stehen pinkeln.

Thermometer zeigt fast 30°C

Thermometer zeigt 'warme Temperatur' von fast 30°C – Foto: T.Bortels/bilderbook.org

Über „mehr als halb so wenig“ und kalte Temperaturen und so

Heute war es mal wieder so weit: auf meinem bevorzugten Regionalradiosender hörte ich die Formulierung „…mehr als halb so wenig…“ und fühlte mich animiert, zunächst einen Tweet abzusetzen. Und dann noch einen. Und nun dieser Blog-Eintrag. Warum? Weil.

Über „kalte Temperaturen“ und „warme Temperaturen“

Schon länger empfinde ich ein gemischtes Gefühl aus Unwohlsein und hämischer Freude, wenn ich etwas über „kalte Temperaturen“ oder „warme Temperaturen“ hören muß. Ja, ich habe mal ein paar Vorlesungen über Termodynamik gehört – und da hat sich folgendes bei mir festgesetzt: die Temperatur ist eine Maßeinheit – sie kann nicht kalt oder warm sein – nur hoch oder niedrig. Eine hohe Temperatur mag sich warm anfühlen und eine niedrige Temperatur kalt – aber die Temperatur selbst kann weder kalt noch warm sein. Soweit zur Physik.

Ich habe dann auch mal in einer Zeitungsredaktion (online) gearbeitet – und da wurde durchaus schon großer Wert auf Worte und ihre Bedeutung gelegt. Auch das hat sich bei mir irgendwie festgesetzt. Insofern achte ich immer gerne besonders akribisch auf Nachrichten und wie diese formuliert werden. Haarspalterei. Ich weiß. Ein Bespiel: In der Regel werden Gebäude evakuiert und nicht Menschen. Menschen würden es nicht überleben, wenn man sie evakuieren würde. Dennoch wird gerne berichtet, daß Menschen evakuiert wurden. Aber das nur nebenbei.

„mehr als halb so wenig“

In dem heutigen Fall ging es um das Einkommen – bzw. genauer um die Differenz zwischen den Einkommen in Ost. und Westdeutschland. Inhalt der Meldung: bei manche Berufgruppen sind auch heute noch die Löhne im Osten niedriger als im Westen. Skandal! Das stimme ich zu! Aber wie transportiert man zumindest eine große Idee vom Ausmaß der Ungerechtigkeit?

Auch hier haben wir eine Skala – eine Maßeinheit. Jemand kann viel verdienen, oder wenig. Und wenn jemand 50% von dem verdient, was jemand anderes verdient, dann verdient er/sie weniger – oder ebem halb so viel. Aber „halb so wenig“ ist einfach quatsch. Und noch größerer Quatsch ist es zu sagen, dass jemand „…mehr als die Hälfte weniger…“ verdient. Entweder jemand verdient mehr als die Hälfte, oder weniger als die Hälfte. Leider weiß ich nun nicht, was nun der konkrete Fall ist. Verdienen manche Menschen weniger, als die Hälfte? …oder mehr als die Hälfte…? Und wenn ja: wie viel weniger? Oder wie wenig mehr? Ich bin verwirrt.

Um das mal auf die Temperaturen anzuwenden: wenn es gestern -10°C war und heute nur –4°C dann würde doch auch niemand auf die Idee kommen, zu sagen, dass es heute „weniger als die Hälfte so kalt ist“ wie gestern – oder etwa doch? Na, ich bin mal gespannt auf den nächsten Winter…

Ein BMW i3 des Carsharing-Anbieters DriveNow an einer Ladestation in Berlin Prenzlauer Berg
Foto: T.Bortels/bilderbook.org

Mein höchstpersönliches Problem mit DriveNow

Vor kurzem ist ein guter alter Freund ums Leben gekommen. Er war in einem BMW i3 des Carsharing-Anbieters DriveNow unterwegs. Es war spät, er hatte mit einem alten Schulfreund ein Konzert in Hamburg besucht – und die beiden wollten offenbar nach hause fahren. Sie sind leider nicht zuhause angekommen.

Was war passiert? Die Presse munkelt, dass Alkohol im Spiel war – und dass die beiden zu schnell unterwegs waren. Ich weiss es nicht – ich war nicht dabei. Für mich gibt es zurzeit nur diese Fakten: die beiden hatten eine gute Zeit und haben dann offenbar spontan entschieden, einen BWM i3 des Carsharing-Anbieters DriveNow zu nehmen – selber zu fahren – und nicht z.B. ein Taxi zu nehmen. Auf der Hannoverschen Srasse in Hamburg-Harbug gerieten sie in den Gegenverkehr und kollidierten mit einem Bus.

Mein Problem mit DriveNow

Es gab eine Zeit, da war ich großer Fan von DriveNow. Fast überall und jederzeit verfügbar, so schnell wie ein Taxi, so günstig wie die Öffentlichen. Das war jedenfalls mein erster Eindruck. Ich habe eine zeitlang selber gerne und häufig spontan ein Auto gemietet – mal einen Mini, mal einen BMW, mal mit Gangschaltung, mal Automatik. Ein verfügbares Auto zu finden war nie wirklich schwierig – häufig standen gleich mehrere Modelle in erreichbarer Entfernung. Und eine zeitlang dachte ich, das wäre das ideale Modell, um einfach, schnell und günstig zum Beispiel zu einer Party oder zu einem Konzert zu fahren. Einfach hinfahren, das Auto stehen lassen und mit dem Taxi oder der BVG nach hause.

Dieser positive erste Eindruck hat sich im Laufe der Zeit aber zum Negativen geändert. Zuerst möchte ich mal das Tarifmodell kritisieren. Man bezahlt pro Minute. Je schneller man am Ziel ist, desto günstiger wird es – desto ‚besser‘ oder ‚effektiver‘ war die Fahrt. Seit jahren rege ich mich über die Carsharing-Nutzer auf, die offenbar versuchen, so schnell wie möglich zum Ziel zu kommen – und dementsprechend so schnell wie möglich zu fahen. Und ich kenne das Problem bzw. das Phänomen ja selber: plötzlich fühlt man sich gut, wenn man noch eben eine gelbe Ampel mitgenommen hat – und die Fahrt wird dementsprechend günstiger. Und dann hat man unter Umständen auch noch mit Autos zu tun, die man eben gar nicht, oder nur unzureichend kennt. Ein neuer BWM? Wunderbar – gleich mal testen. Automatik? Egal – so schwer wird’s schon nicht sein. Elektro-Antrieb? Soll ja eine gute Beschleunigung haben. Gleich mal ausprobieren…

So kann es nicht weitergehen

DriveNow muss früher oder später sein Tarifmodell ändern – oder es wird immer wieder zu schweren Unfällen kommen. Wenn man im Internet nach „Carsharing Unfall“ sucht, bekommt man eine erschreckend hohe Anzahl von zum Teil fürchterlichen Geschichten zu lesen. offenbar kommt es regelmäßig zu mehr oder weniger schweren Unfällen. Häufig ist überhöhte Geschwindigkeit die Ursache und/oder Alkohol und/oder der Fahrer verlor die Kontrolle über den Wagen. Auf der Webseite des Carsharing-Watchblog kann man sich einen Eindruck darüber verschaffen, wie häufig und in welchen Orten es zu Unfällen mit Carsharing-Autos kommt.

Was können Carsharing-Anbieter wie DriveNow tun, um solche Unfälle in Zukunft zu vermeiden?

Ich halte zwei Fakoren für die hauptursache solcher Unfälle: Alkohol und überhöhte Geschwindigkeit. Und sowohl rechtlich als auch technisch sollte es eigentlich kein Problem sein, diese beiden Faktoren anzugehen. Dazu folgende drei Vorschäge:

1. Tarifmodell ändern

Die meines Erachtens nach einfachste und evtl. auch effektivste Maßnahme wäre es, das Tarifmodell zu ändern. Anstatt pro Minute abzurechnen, sollte der Preis einer Fahrt pro Kilometer berechnet werden – oder aus einer Kombination beider Faktoren. Es kann nicht sein, dass Raserei durch niedrige Fahrtkosten ‚belohnt‘ wird.

Der Carsharing-Anbieter Drive By bietet genau dieses Tarifmodell bereits heute an – offenbar leider mit mäßigem Erfolg. Nur vereinzelt sieht man Fahrzeuge von Drive By. Aber das muss ja nicht so bleiben – letztendlich habe ich die Hoffnung, dass sich doch das meiner Meinung nach vernünftigere tarifmodell durchsetzt.

2. Verfügbarkeit einschränken

Carsharing-Autos sind in vielen deutschen Großstädten fast überall und zu jeder Zeit verfügbar. Wenn man eine entsprechende Mitgliedschaft abgeschlossen hat kann man quasi jederzeit und überall „einfach mal“ ein Auto mieten – und fahren. Das ist insbesondere dann besonders verlockend, wenn man vielleicht gerade die letzte U-Bahn verpasst hat, oder einfach keine Lust hat, auf den Nachtbus zu warten oder ein Taxi zu nehmen. Im Prinzip kann diese Verfügbarkeit ja auch sehr praktisch sein – wenn der Fahrer aber zuvor Alkohol getrunken hat, kann das fatale Folgen haben.

Durch den Einbau einer „Alkohol-Wegfahrtsperre“ ließe sich das Problem so gut wie aus der Welt schaffen. Zumindest ließe sich die Verfügbarkeit für alkoholisierte Personen einschränken. Will man ein Auto zum Beispiel zwischen 22Uhr und 6Uhr mieten, kann man es nur starten, wenn man zuvor einen eingebauten Alkoholtest (auch bekannt als „Alcolock“) bestanden hat. Hat man hingegen zuviel getrunken, bleibt das Auto stehen.

Das mag jetzt vielleicht zu futuristisch klingen – ist in Schweden durchaus schon seit Jahren üblich, wie ZEIT ONLINE in dem Artikel ‚Pusten, damit der Motor läuft‚ bereits 2012 berichtet. In Schweden dürfen Arbeitgeber von ihren Mitarbeitern verlangen, dass sie sich vor Fahrtantritt einem Alkoholtest unterzeihen. Volvo hat mit dem „Alcoguard“ das passende Produkt am Markt.

3. Geschwindigkeit drosseln

Moderne Navigationsgeräte wissen fast auf den Meter genau, welche Geschwindigkeitsbegrenzung gerade aktuell ist – wie schnell man gerade fahren darf. Technisch sollte es also eigentlich kein Problem sein, Carsharing-Fahrzeuge so auszurüsten, dass immer nur die gerade erlaube Höchstgeschwindigkeit gefahren werden kann.


Ich hoffe sehr, dass zumindest mehr über dieses Thema und diese Problematik gesprochen wird. Zeitbasierte Tarifmodelle stellen ein Risiko dar – darüber muss man hoffentlich nicht streiten. Ob auch meine anderen beiden Vorschäge früher oder später mal zum Standard werden läßt sich zum gegenwärtigen zeitpunkt nicht abschätzen – die Carsharing-Anbieter werden sich vermutlich mit allen Kräften dagegen wehren – denn sie müssten letztendlich eingestehen, dass es ein Problem gibt. Und ja – ich möchte es nochmal sagen: es gibt ein Problem. Und das ist nicht nur mein höchstpersönliches Problem.

Hat Trump 2016 in Schottland wirklich das Brexit-Ergebnis vorausgesagt?

Die Britische Premierministerin Theresa May war gerade in den USA. Gestern gab es ein erstes Gespräch zwischen Donald Trump und Theresa May, danach einen gemeinsamen Pressetermin. Bei dieser Gelegenheit deutete Trump an, er habe während seines Besuches in Schottland im Juni 2016 das Brexit-Ergebnis vorhergesagt:

“I happened to be in Scotland… cutting a ribbon, when Brexit happened. I said- this was the day before, you probably remember- ‘Brexit is going to happen’ and I was scorned in the press for making that prediction”.

kurz mal frei übersetzt:

„ich war gerade in Schottland… (…) als der Brexit war. Ich sagte– und das war an dem Tag vorher, wie Sie sich vermutlich erinnern werden– ‚Brexit wird kommen‘ und für diese Vorhersage wurde ich dann von der Presse verachtet. „

So so. Das ist ja mal eine ziemlich eindeutige Behauptung. Aber ist sie auch wahr? Oder hat Trump mal wieder ein bisschen übertrieben?

Nun möchte man meinen, es wäre relativ einfach nachzuprüfen, ob Trump mit dieser Behauptung gelogen hat, oder nicht. Aber es ist etwas komplizierter, als zunächst gehofft. Da ist nämlich zunächst mal die Rede, die Trump anlässlich der Eröffnung seines neuen Golfplatzes hält. Diese Rede hält er am 24. Juni – zu diesem Zeitpunkt liegt das Brexit-Ergebnis bereits vor. Und diese Rede ist vermutlich deshalb vielen in Erinnerung geblieben, weil sich Trump einen Faux-Pas leistet: Schottland hat mehrheitlich gegen den Brexit gestimmt – dennoch gratuliert Trump den Leuten, dass sie sich nun ihr Land zurrückholen. In Schottland kam das gar nicht gut an.

Trump dokumentiert diesen Faux-Pas anschliessend auch noch mit einem entsprechenden Tweet:

Frei übersetzt:

„Bin gerade in Schottland angekommen. Alle sind ganz wild wegen der Abstimmung. Sie haben sich ihr Land zurrückgeholt, so wie wir uns Amerika zurrückholen werde. Keine Spielchen!“

Ok – die Sache scheint klar zu sein – Trump hat in Schottland zum Brexit gratuliert. Also lag das Ergebnis der Abstimmung zu diesem Zeitpunkt bereits vor.

Aber: vor dem Termin auf dem Golfplatz gab es auch noch ein Fersehinterview, das bereits vor der Brexit-Abstimmung aufgezeichnet wurde:

In diesem Interview sagt Trump offenbar: „I think that Britain will separate from the EU“ – also sowas wie „Ich denke Großbritanien wird sich von der EU trennen“ oder „ich vermute…„. Ob er während des Interviews in Schottland war kann ich nicht sagen. Vermutlich nicht. Aber, wenn ich das richtig verstehe, wurde das Interview offenbar bereits im März 2016 aufgezeichnet.

Man kann also festhalten: Ja, Trump hat das Brexit-Ergebnis vorausgesagt – oder besser gesagt öffentlich erhofft. Eine seiner vielen „I think…“ Äusserungen, die später schnell entweder zurräuckgezogen werden können – oder wie in diesem Fall als „Ich habe es ja vorher gewusst.“ Aber es stimmt scheinbar nicht, dass er das während seines Besuches in Schottland getan hat. Das Interview wurde allerdings an dem Tag gesendet, an dem er in Schottland einen Golfplatz eingeweigt hat. Die Antwort auf die Frage Hat Trump in Schottland das Brexit-Ergebnis vorausgesagt? wäre also mal wieder Ja und Nein. Und genau so scheint die Trump-Logik ja im allgemeinen zu funktionieren: am besten, man sagt „Es regnet“ und „Es regnet nicht“ – dann hat man zumindest immer zu 50% Recht.

Auch interessant:

Gutes Wetter Schlechtes Wetter

Es gibt Dinge, die sind so dumm und ärgerlich, dass man sie eigentlich einfach nur ignorieren möchte. Und dann gibt es Dinge, bei denen ist das ignorieren schon zu anstrengend – man möchte sie quasi nicht einmal ignorieren müssen. Und dann wieder gibt es Dinge, da hilft das ignorieren einfach nicht – oder zumindest fällt es mir leichter, kurz darüber zu schreiben, als zu versuchen, die Sache zu ignorieren. Und sei die Sache auch noch so banal. Soweit die Vorwarnung.

Seit einiger Zeit läuft auf Radio Eins die etwas unglückliche Diskussion, was denn nun eigentlich „Gutes Wetter“ oder vielmehr „Schönes Wetter“ ist – und was demzufolge „Schlechtes Wetter“ ist. Dabei ist „Diskussion“ etwas zu hoch gegriffen. Es gab wohl Beschwerden von einzelnen Hörern, dass Sonnenwetter immer (immer!) als Schönes Wetter bezeichnet wurde. Und nun versuchen sich die Moderatoren halbwegs *lustig* mit dieser Kritik auseinander zu setzen.

Grundsätzlich finde ich das Thema ja auch ganz amüsant. Diskussionen um das Wetter können ja fast schon philosophische Züge annehmen. Aber leider ist bei den lieben Kollegen kaum abzusehen, dass sich irgendwann Verständnis oder sogar Einsicht einstellen würde, warum es von vielen Hörern als falsch empfunden wird, Sonnenschein mit „Schönem Wetter“ gleichzusetzen.

Heute lief mein persönliches Fass dann über: draussen sei es wohl „gemütliches Wetter oder eben mieses Wetter – je nachdem, auf welcher Seite der Scheibe man steht“. Wie ist das denn zu verstehen?! Es geht doch nicht darum, dass manche Leute vielleicht Regenwetter lieber mögen, als Sonnenschein – und dementsprechend vom Radiomoderator erwarten würden, dass er Regenwetter als „Schönes Wetter“ bezeichnen würde. Zumindest geht es mir nicht darum. Mein subjektiver Eindruck vom Wetter ist eine ganz andere Geschichte – egal, ob dieser wohlmöglich von dem persönlichen Empfinden des Radiomoderators abweicht, oder nicht.

Eigentlich sollte es doch ganz einfach sein: mir persönlich geht es jedenfalls einfach nur um Journalismus – und zwar um guten Journalismus. Dazu gehört auf jeden Fall eine einigermaßen wertneutrale Berichterstattung. Und der Wetterbericht ist meinem Empfinden nach ein Teil der Berichterstattung – des journalistischen Angebots – Teil der Nachrichten. Und ich meine, es wäre nun wirklich nicht zu viel verlangt, die persönlichen Präferenzen einfach mal von der reinen Berichterstattung zu trennen – eben auch beim Wetterbericht. Sonnenschein ist zunächst einfach mal Sonnenschein – und Regen ist Regen. Ob das nun schön, oder gut, oder schlecht ist – darüber kann man vortrefflich abendfüllend diskutieren. Frag doch zum Beispiel mal einen Landwirt, ob 10 Tage Sonnenschein wirklich „schönes Wetter“ sind! Frag mal einen Allergiker, ob ein Regenguss im Hochsommer wirklich „schlechtes Wetter“ ist!

In diesem Sinne – einen schönen Herbst!

Brexit uk eu London Big Ben Skyline

London: Blick aufs Parlament / Big Ben Skyline - Foto:T.Bortels

Brexit – das UK EU Referendum und die Folgen

Es ist das erste Wochenende nach dem EU Referendum – das Ergebnis liegt seit gut 48 Stunden vor – und der Brexit scheint beschlossene Sache zu sein. Aber ist das wirklich so? Ist der Brexit bereits beschlossene Sache? Ehrlich gesagt: ich glaube das nicht.

Zunächst muss Großbritannien formal den Antrag auf Austieg einreichen. David Cameron hat schon angedeutet, dass er sich nicht darum kümmern möchte – also wird der Brexit wohl  frühestens im Oktober 2016 anlaufen.

Ab Oktober wäre dann also Camerons Nachfolger für das weitere Brexit-Verfahren zuständig. In den folgenden zwei Jahren würde es darum gehen, quasi alle (alle!) Verträge und Abkommen, die zurzeit zwischen Großbritannien und der EU bestehen, neu zu verhandeln. Aber ist das überhaupt zu schaffen? Und wer möchte das?

Die Brexit-Befürworter haben meines WIssens nach vor der Abstimmung behauptet, sie wollten vor allem deshalb aus der EU austreten, um neue, für Großbritannien vermeintlich bessere, vorteilhaftere Abkommen vereinbaren zu können. Ein Vertrag besteht aber immer zwischen zwei Vertragspartnern – und natürlich werden beide Seiten versuchen, einen möglichst guten Deal zu bekommen – oder zumindest den Status-Quo zu behalten. Im besten Fall bleibt also alles wie es ist – im schlimmesten Fall kommt es zu keiner EInigung – oder eine der beiden Seiten muss Kompromisse eingehen.

Als Grönland Anfang der Achtziger Jahre aus der EU austrat musste auch vieles neu verhandelt werden. Allerdings waren die Themen, die damals verhandelt wurden, recht überschaubar. Trotzdem benötigte man mehrere Jahre, um alle Verträge zu verhandeln. Man darf also bezeifeln, ob es überhaupt technisch möglich ist, alle bestehenden Vertäge fristgemäß neu zu verhandeln. Am einfachsten wäre es eventuell, man würde die bestejhenden Regelungen einfach übernehmen.

Wie geht es mit dem Brexit weiter?

Sollte Großbritannien also seinen Austritt aus der EU wirklich wünschen – und diesen Wunsch also auch offiziell bei der EU einreichen – dann müssten also grundsätzlich alle Abkommen neu verhandelt werden. Letztendlich wird Großbritannien aber kaum bessere Deals bekommen, als es sie schon heute hat. Man wird im Laufe der Zeit anfangen abzuwägen, ob sich ein EU-Austritt wirklich lohnt – oder ob man sich doch geirrt hat.

Spätesten die nachfolgende Regierung wird dann feststellen, dass es sehr viel einfacher und kostengünstiger wäre, nicht aus der EU auszutreten und stattdessen als gleichberechtigtes Mtglied direkt zu verhandeln – so wie es bisher eben auch schon immer möglich war.

Eventuell werden aber neue Abkommen verhandelt – die dann der Britischen Bevölkerung zur Abstimmung vorgelegt werden. Dann müsste ein neues Referendum zeigen, ob die Mehrheit der Briten immernoch aus der EU austreten möchte – oder lieber doch nicht.

Alternativ könnte das Britische Parlament auch schon im Laufe der Verhandlungen, oder sogar vor Beginn der Verhandlungen sich gegen den Brexit entscheiden und so den Rücktritt vom Austritt veranlassen. Das würde zwar den Glauben an die Referenden und ggf. die Demokratie beschädigen – insofern den Brexit-Befürwortern zugunste kommen – aber kostengünstiger  und vor allem vernünftiger wäre es allemal, als nun eine mindestens zweijährige Hängepartie zu inszenieren, von der eigentlich alle schon vorher wissen, dass weder die EU, noch Großbritannien davon profitieren würde.

Soweit die Theorie.


Siehe auch:

Safe Harbor / Privacy Shield: Datenschutz ist nicht gleich Datenschutz

Für viele mag die Meldung, dass Facebook nun als Konsequenz aus dem gescheiterten Safe Harbor Abkommen seine/unsere Daten in Europa lassen soll, eine gute Meldung sein. Das merken offenbar zumindest einige französische Datenschützer an, wenn ich den Artikel „Datenschützer wollen Facebook zwingen, Daten in Europa zu lassen“ richtig interpretiert habe, der neulich auf der Homepage der Süddeutschen Zeitung zu lesen war. Für mich ist das alles andere als eine gute Meldung. Mir wird geradezu schwindelig, wenn ich an die Konsequenzen denke, die uns aus einer konsequenten Umsetzung des Safe Harbour Abkommens blühen könnten.

„Europäische Daten“ in Europa speichern?!

Zunächst einmal stellt sich mir die Frage: wie soll das gehen? Europäische Daten in Europa speichern? Klingt vielleicht erstmal einfach. Das Geschäftsmodell von Facebook ist allerdings das globale Verbinden – von Menschen, von Interessen, von Daten. Und das ist so ungefähr auch das Grundprinzip des Internets. Ein Server schickt eine Anfrage an einen anderen Server – dieser beantwortete dann die Anfrage. Und beide Server protokollieren diesen Vorgang – egal, wo sie stehen. Und das Protokollieren solcher Vorgänge gehört wiederum zum Funktionsprinzip des Internets.

Grundsätzlich ist da eigentlich auch nichts zu befürchten – die Internetprotokolle könnten auch datenschutzkonform / anonym funktionieren. Bei Facebook wird dem Funktionsprinzip entsprechend natürlich ziemlich genau protokolliert, wer welche Anfrage stellt – sonst würde man ja nie irgendwelche „Freunden“ „folgen“ können.

Wenn nun aber europäische Richtlinien verlangen, dass europäische Daten bitte nur in Europa gespeichert werden dürfen – was dann? Dann wird im besten Falle darauf gehofft, dass der ‚Rest der Welt‘ (ca. 80% der Facebook-Nutzer) damit einverstanden ist, seine Daten in Europa zu speichern. Das kann aber wiederum nur funktionieren, wenn kein anderes Land darauf besteht, die Daten seiner Nutzer ausschliesslich national zu speichern.

Alternativ müsste man sich besorgt fragen, ob Dienste wie Facebook in Zukunft überhaupt noch europäischen Richtlinien gerecht werden können. Dann könnte das ganze aber ordentlich nach hinten losgehen – und nicht nur für Facebook.

Was ist das eigentliche Datenschutz-Problem?

Niemand wird gezwungen, Facebook oder irgendeine andere Webseite zu nutzen. Niemand muss seine Fotos und Geschichten auf einen Server in den USA zu laden. Und im Prinzip ist es jedem selbst überlassen, was er im Internet von sich preisgibt. Und wer nichts zu verbergen hat, hat eben nichts zu verbergen. Schon klar. Aber darum geht es hier ja vermutlich auch gar nicht. Es scheint der EU-Kommission vielmehr um die Datensammlung zu gehen, die Facebook so ganz nebenbei anlegt – auch wenn man gerade nicht eingeloggt ist.

Facebook sammelt auf Millionen Webseiten Informationen mithilfe der sogn. „Like-Buttons“ – eine Praxis, die vielen missfällt. Mir auch. Aber auch andere Firmen und Institutionen sammeln „nebenbei“ Daten – ohne dass man dem direkt zustimmt. Zunächst fällt einem vielleicht die Werbeindustrie ein, die über Werbebanner bestimmte Daten sammeln kann. Aber letztendlich sammelt grundsätzlich jeder Server ganz ähnliche Daten – Verbindungsdaten – auch schon aus dem einfachen Grund, um die Anfragen und Rückmeldungen bearbeiten zu können, die eben so anfallen, wenn jemand eine Webseite aufruft.

Würde man es mit dem Datenschutz ernst meinen, dann müsste man sich überlegen, wie man es seinen Bürgern ermöglichen kann, das Internet zu benutzen, ohne solche Spuren zu hinterlassen. Aber genau das möchten die Gesetzgeber offenbar nicht.

Safe Harbor / NSA-Überwachung

Und noch ein Einwand: „Nach den Enthüllungen über die NSA-Überwachung könne Safe Harbor nicht garantieren, das in den USA Datenschutzstandards auf EU-Niveau eingehalten würden.“ Nach den Enthüllungen über die NSA-Überwachung kann Safe Harbor aber auch nicht garantieren, das nicht europäische Geheimdienste diese Daten abgreifen und ggf. direkt in die USA weiterleiten.

siehe auch:

Lesezeichen: Hacking Team, Responsive Design, Hillary und Slow-Mo-Blitze

  • What horrible things did we learn about Hacking Team today?
    Zur Erinnerung: der Italienische Dienstleister Hacking Team bietet ‚Software-Lösungen‘ zum Hacken und Spionieren an und verkauft diese offenbar ganz erfolgreich in alle Welt. Als im Juli die Server von Hacking Team gehackt wurden kamen bei der Analyse des über 400GB großen Datenberges einige erstaunliche Details ans Licht: so zum Beispiel die Kundenliste von Hacking Team. Auf boingboing.net erschien bereits Anfang July eine Infografik zum Hacking-Team-Hack, die die größten Kunden von Hacking Team übersichtlich aufführt.
  • Responsive Design is Misunderstood” – The Karen McGrane Interview
    EIne Webdesignerin der frühen Web-Zeiten und Mit-Erfinderin des Begriffs „Responsive Web Design“ erzählt im Interview mit An Event Apart von populären Mißverständnissen und vom Stockholm Syndrom in Bezug auf Desktop Design. SIehe auch: http://responsivewebdesign.com
  • Der Brief an die New York Times „Letter to the New York Times’ Dean Baquet“ von Jennifer Palmieri, Communications Director für die Präsidentschaftskampagne von Hillary Clinton „Hillary for America“ bietet einen Einblick in das Zusammenspiel von Politik und Medien – und wie verherend ein Fehler in der Berichterstattung einer der einflußreichsten Zeitungen sein kann. Die New York Times hatte ursprünglich berichtet, dass gegen Clinton ermittwlt werde – inzwischen sind Passagen und Formulierungen in dem Artikel „Inquiry Sought in Hillary Clinton’s Use of Email“ geändert worden. Ende Juli hat The Atlantic die Geschichte dann noch mal aufgerollt, sortiert und kommentiert: „The New York Times’ Botched Story on Hillary Clinton„.
  • Dann noch dieser ‚Nachtrag‘ zum Deal zwischen Microsoft und Nokia: Anfang Juli schreibt Microsoft die Übernahme von Nokias Mobilfunksparte mit 7.6 Milliarden Dollar ab und kündigt die Entlassung von 7.800 ehemaligen Nokia-Mitarbeitern an. Haben wir’s vorher gewusst? Irgendwie schon. Zumindest hatte ich eine gewisse Vermutung, dass die „Kooperation“ zwischen Nokia und Microsoft kein gutes Ende nehmen würde. Nun ist die Nokia-Mobiltelefonsparte also gegen die Wand gefahren und das Spiel kann von Neuem beginnen. Der finnische Technologiekonzern kündigte bereits an, wieder Mobiltelefone entwickeln zu wollen. Und nebenbei mal kurz quergerechnet:  mit jedem gekündigte Mitarbeiter schreibt  Microsoft ungefähr eine Million Dollar ab. So viel zum eigentlichen  Wert der Arbeitsplätze bzw. der ehemaligen Mitarbeiter. Bei The Verge ist die geschichte noch mal schön zusammengefaßt: „Microsoft writes off $7.6 billion from Nokia deal, announces 7,800 job cuts„.
  • Und zu guter letzt noch ein Super-Slow-Motion-Video von einem Gewitter via laughingsquid.com – bei 2000 Bilder pro Sekunde kann man sehen, wie sich die einzelnen Blitze ihren Weg ’suchen‘ und wie dann offenbar mehrere Blitze denselben ‚Kanal‘ nutzen:

Privat öffentlich

Ich weiss ja, worauf sich @Niggi in seinem Tweet vom 10.Juli eigentlich bezieht: das Cover der Spiegel-Ausgabe ist nicht gerade etwas, womit man in der Öffentlichkeit gesehen werden möchte. Die digitale Ausgabe des Spiegel ist daher ganz ‚praktisch‘ weil ‚anonym‘:

Das Beste am digitalen @DerSpiegel ist, dass man nicht dabei gesehen wird, wie man ihn kauft. — Stefan Niggemeier (@niggi) 10. Juli 2015 (Original-Tweet mit Spirgel-Cover hier)

Kann man ja eigentlich erst mal so stehen lassen. Ich nehme das jetzt aber einfach mal als Aufhänger, um ein paar Gedanken zu einem Thema aufzuschreiben, das mich schon eine ganze Weile hin und wieder beschäftigt – und zwar:

Das Private und das Öffentliche

Typische Situation: Menschen warten und verbringen ihre Zeit damit, auf Displays zu starren. Was sie dort sehen ist den unmittelbaren mitreisenden, mitwartenden Mitmenschen zunächst verborgen. SPIEGEL Online? BILD? New York Times? Nachrichten? Sport? Feuilleton? Oder doch Email? Twitter? Facebook? Oder liest der Sitznachbar gerade ein Buch? Niemand weiss es – man liest anonym.

Das ist aber leider nur die halbe Wahrheit. Diensteanbieter, Google, Amazon, Verlage – alle lesen mit. Das kann vom einzelnen vielleicht sogar anonymisierten Klick bis hin zur Analyse der digitalen Lesegewohnheiten gehen. Wird ein Text komplett gelesen – oder steigt der Leser irgendwann aus? An welcher Stelle steigt der Leser aus? Kann man da was optimieren?

Digitale Lesegeräte – egal ob eReader oder iPad – mögen praktisch sein, wenn es darum geht, eine ganze Reihe von Büchern, Zeitschriften, Magazinen mit zu nehmen. Die Mitreisenden wissen weder was ich lese, noch was ich noch so dabei habe. Und auch amm Strand, am Pool, im Zug, in der Hotel-Lobby – alle Leserinnen und Leser sehen irgendwie ‚gleich‘ aus. Und das ist ja vielleicht auch ganz schön: eigentlich geht es niemanden etwas an, was ich gerade lese.

Während man im öffentlichen Raum als Digital-Leser eine neue Privatheit findet, gibt man  gleichzeitig einen Teil seiner Privatsphäre auf bzw. an Konzerne, Verlage und vermutlich auch an Behörden ab. Und kurrioser weise ist genau das der Preis für die neu erlangte Provatheit im öffentlichen Raum.