Sonntags-Shopping-AUS – wie uns der Sonntag verkauft wird.

Karlsruhe hat entschieden, Kirchen und Gewerkschaften jubeln, Berlin hat verloren: der Sonntag soll in Zukunft (wieder) nicht mehr Shopping-Sonntag sein.

Wie konnte das passieren? Die Kirchen haben geklagt – und die Richter zitieren in ihrem Urteil letztlich nur das Grundgesetz – und hier steht die vor rund 100 Jahren festgelegte Regel, daß der Sonntag ‘heilig’ sei, und daß er zur Regeneration von Körper uns Seele diene. Vor rund hundert Jahren war ein solches Gesetz sicherlich auch dringend nötig: geschundene Arbeiter wurden regelrecht versklavt und mußten zu unmenschlichen Bedingungen teilweise 7 Tage pro Woche arbeiten. Das Gesetz 6-Tage-Gesetz schob dem einen Riegel vor.

Aber wie ist die heutige Situation? Fabrikarbeiter arbeiten ganz selbstverständlich nachts und an Sonn- und Feiertagen – schließlich schlafen die Kredite auch nicht und eine stillstehende Maschine kann sich keine größere Firma leisten. Das verstehen alle. Auch der Dienstleistungssektor arbeitet ganz selbstverständlich nachts und an Sonn- und Feiertagen – schließlich müssen Alte und Kranke rund um die Uhr betreut werden. U-Bahnen, Züge, Busse, Taxis fahren, Polizei, Feuerwehr und Ärzte sind bereit, im Notfall zu helfen. Zoos, Kinos, Theater und Museen sind natürlich auch sonntags geöffnet, und auch für die Gastronomie sind Sonntage wichtige Tage schließlich will man in seiner Freizeit ja was unternehmen, und sei es ‘nur’ lecker essen zu gehen, oder auf Kaffee und Kuchen ins Café am See oder so. Wer dann noch seine Sonntagszeitung liest, Radio hört oder Fernsehen sieht, hat gleich noch eine weitere durcharbeitende Berufsgruppe im Blick. Wer es aber lieber ruhig und mag, all dem Trubel entfliehen möchte und sich am heiligen Sonntag vielleicht lieber in die Kirche flüchtet, der kann das getrost tun – denn auch Priester und Pastoren arbeiten sonntags!

Es geht hier also nicht wirklich um Sonntagsarbeit – sonst müßte man konsequenter weise auch Fließbänder, Taxis und Züge stillstehen lassen, und bei Krankheit und Feuer auf den lieben Gott vertrauen. Worum geht es hier also wirklich? Es geht um Machtspiele. Der Spielball heißt ‘Sonntag’ und gespielt wird um unsere Zeit – wie wir sie verbringen dürfen – und wer das zu bestimmen hat. Viele dürfen/müssen ganz selbstverständlich sonntags arbeiten – wenn sie nicht gerade das ‘Glück’ haben, in einem 5- oder 6-Tage Beruf wie z.B. als Beamter oder als Verkäufer im Einzelhandel angestellt oder selbstständig zu sein. Wir dürfen sonntags ins Museum, in den Zoo und ins Kino gehen, und natürlich dürfen wir sonntags und an Feiertagen in die Kirche. Aber ‘Shopping gehen’ dürfen wir nun nicht mehr.

Und wie machen es andere Länder? Was ist mit den anderen Religionen – und ihren ‘Sonntagen’? Von Muslims und Juden wird hierzulande ja ganz selbstverständlich erwartet, daß sie sich in den Christlichen Rythmus einfügen. Aber darüber wird einfach nicht geredet. In anderen Ländern ist das anders. Beispiel U.S.A. – New York: Manche Geschäte sind Samstags geschlossen, andere Montags.  Der Sonntag aber ist für ‘die Stadt’ einer der wichtigsten Shopping-Tage. Wochenendtouristen bringen schnelles Geld, das einen nicht unerheblichen Teil des Gesamtumsatzes ausmacht. Und natürlich freuen sich auch die New Yorker über diesen Shopping-Tag: wann sonst  sollten denn all die Leute in Ruhe einkaufen gehen, die den Rest der Woche über arbeiten? Dabei wird das Shopping-Erlebnis auch gerne mal mit dem Gang zur Kirche kombiniert – in den U.S.A. geht das – schließlich sind die U.S.A. nicht nur für unbegrenzte Shopping-Welten bekannt, auch Religionen haben hier einen sehr hohen Stellenwert.

Abschließend würde ich mir ein ‘Verfallsdatum’ für Gesetze wünschen: jedes Gesetz, das länger als 25 Jahre in Kraft ist, sollte auf seinen Bezug zur Realität überprüft werden. Gesetze, die mehr als 50 Jahre auf dem Buckel haben, sollten einer besonders gründlichen Prüfung unterzogen werden. Und Gesetze, die älter als dieses Land sind, sollten umgehend außer Dienst gestellt werden. Im Klartet:  Ich habe einfach keine Lust mehr, meinen Freunden außerhalb dieser Republik zu erklären, daß wir hier nach Gesetzen leben, die älter sind als ‘the Nazis’.

mfG, t..

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