Archiv für das Jahr: 2016

Gutes Wetter Schlechtes Wetter

Es gibt Dinge, die sind so dumm und ärgerlich, dass man sie eigentlich einfach nur ignorieren möchte. Und dann gibt es Dinge, bei denen ist das ignorieren schon zu anstrengend – man möchte sie quasi nicht einmal ignorieren müssen. Und dann wieder gibt es Dinge, da hilft das ignorieren einfach nicht – oder zumindest fällt es mir leichter, kurz darüber zu schreiben, als zu versuchen, die Sache zu ignorieren. Und sei die Sache auch noch so banal. Soweit die Vorwarnung.

Seit einiger Zeit läuft auf Radio Eins die etwas unglückliche Diskussion, was denn nun eigentlich „Gutes Wetter“ oder vielmehr „Schönes Wetter“ ist – und was demzufolge „Schlechtes Wetter“ ist. Dabei ist „Diskussion“ etwas zu hoch gegriffen. Es gab wohl Beschwerden von einzelnen Hörern, dass Sonnenwetter immer (immer!) als Schönes Wetter bezeichnet wurde. Und nun versuchen sich die Moderatoren halbwegs *lustig* mit dieser Kritik auseinander zu setzen.

Grundsätzlich finde ich das Thema ja auch ganz amüsant. Diskussionen um das Wetter können ja fast schon philosophische Züge annehmen. Aber leider ist bei den lieben Kollegen kaum abzusehen, dass sich irgendwann Verständnis oder sogar Einsicht einstellen würde, warum es von vielen Hörern als falsch empfunden wird, Sonnenschein mit „Schönem Wetter“ gleichzusetzen.

Heute lief mein persönliches Fass dann über: draussen sei es wohl „gemütliches Wetter oder eben mieses Wetter – je nachdem, auf welcher Seite der Scheibe man steht“. Wie ist das denn zu verstehen?! Es geht doch nicht darum, dass manche Leute vielleicht Regenwetter lieber mögen, als Sonnenschein – und dementsprechend vom Radiomoderator erwarten würden, dass er Regenwetter als „Schönes Wetter“ bezeichnen würde. Zumindest geht es mir nicht darum. Mein subjektiver Eindruck vom Wetter ist eine ganz andere Geschichte – egal, ob dieser wohlmöglich von dem persönlichen Empfinden des Radiomoderators abweicht, oder nicht.

Eigentlich sollte es doch ganz einfach sein: mir persönlich geht es jedenfalls einfach nur um Journalismus – und zwar um guten Journalismus. Dazu gehört auf jeden Fall eine einigermaßen wertneutrale Berichterstattung. Und der Wetterbericht ist meinem Empfinden nach ein Teil der Berichterstattung – des journalistischen Angebots – Teil der Nachrichten. Und ich meine, es wäre nun wirklich nicht zu viel verlangt, die persönlichen Präferenzen einfach mal von der reinen Berichterstattung zu trennen – eben auch beim Wetterbericht. Sonnenschein ist zunächst einfach mal Sonnenschein – und Regen ist Regen. Ob das nun schön, oder gut, oder schlecht ist – darüber kann man vortrefflich abendfüllend diskutieren. Frag doch zum Beispiel mal einen Landwirt, ob 10 Tage Sonnenschein wirklich „schönes Wetter“ sind! Frag mal einen Allergiker, ob ein Regenguss im Hochsommer wirklich „schlechtes Wetter“ ist!

In diesem Sinne – einen schönen Herbst!

Brexit uk eu London Big Ben Skyline

London: Blick aufs Parlament / Big Ben Skyline - Foto:T.Bortels

Brexit – das UK EU Referendum und die Folgen

Es ist das erste Wochenende nach dem EU Referendum – das Ergebnis liegt seit gut 48 Stunden vor – und der Brexit scheint beschlossene Sache zu sein. Aber ist das wirklich so? Ist der Brexit bereits beschlossene Sache? Ehrlich gesagt: ich glaube das nicht.

Zunächst muss Großbritannien formal den Antrag auf Austieg einreichen. David Cameron hat schon angedeutet, dass er sich nicht darum kümmern möchte – also wird der Brexit wohl  frühestens im Oktober 2016 anlaufen.

Ab Oktober wäre dann also Camerons Nachfolger für das weitere Brexit-Verfahren zuständig. In den folgenden zwei Jahren würde es darum gehen, quasi alle (alle!) Verträge und Abkommen, die zurzeit zwischen Großbritannien und der EU bestehen, neu zu verhandeln. Aber ist das überhaupt zu schaffen? Und wer möchte das?

Die Brexit-Befürworter haben meines WIssens nach vor der Abstimmung behauptet, sie wollten vor allem deshalb aus der EU austreten, um neue, für Großbritannien vermeintlich bessere, vorteilhaftere Abkommen vereinbaren zu können. Ein Vertrag besteht aber immer zwischen zwei Vertragspartnern – und natürlich werden beide Seiten versuchen, einen möglichst guten Deal zu bekommen – oder zumindest den Status-Quo zu behalten. Im besten Fall bleibt also alles wie es ist – im schlimmesten Fall kommt es zu keiner EInigung – oder eine der beiden Seiten muss Kompromisse eingehen.

Als Grönland Anfang der Achtziger Jahre aus der EU austrat musste auch vieles neu verhandelt werden. Allerdings waren die Themen, die damals verhandelt wurden, recht überschaubar. Trotzdem benötigte man mehrere Jahre, um alle Verträge zu verhandeln. Man darf also bezeifeln, ob es überhaupt technisch möglich ist, alle bestehenden Vertäge fristgemäß neu zu verhandeln. Am einfachsten wäre es eventuell, man würde die bestejhenden Regelungen einfach übernehmen.

Wie geht es mit dem Brexit weiter?

Sollte Großbritannien also seinen Austritt aus der EU wirklich wünschen – und diesen Wunsch also auch offiziell bei der EU einreichen – dann müssten also grundsätzlich alle Abkommen neu verhandelt werden. Letztendlich wird Großbritannien aber kaum bessere Deals bekommen, als es sie schon heute hat. Man wird im Laufe der Zeit anfangen abzuwägen, ob sich ein EU-Austritt wirklich lohnt – oder ob man sich doch geirrt hat.

Spätesten die nachfolgende Regierung wird dann feststellen, dass es sehr viel einfacher und kostengünstiger wäre, nicht aus der EU auszutreten und stattdessen als gleichberechtigtes Mtglied direkt zu verhandeln – so wie es bisher eben auch schon immer möglich war.

Eventuell werden aber neue Abkommen verhandelt – die dann der Britischen Bevölkerung zur Abstimmung vorgelegt werden. Dann müsste ein neues Referendum zeigen, ob die Mehrheit der Briten immernoch aus der EU austreten möchte – oder lieber doch nicht.

Alternativ könnte das Britische Parlament auch schon im Laufe der Verhandlungen, oder sogar vor Beginn der Verhandlungen sich gegen den Brexit entscheiden und so den Rücktritt vom Austritt veranlassen. Das würde zwar den Glauben an die Referenden und ggf. die Demokratie beschädigen – insofern den Brexit-Befürwortern zugunste kommen – aber kostengünstiger  und vor allem vernünftiger wäre es allemal, als nun eine mindestens zweijährige Hängepartie zu inszenieren, von der eigentlich alle schon vorher wissen, dass weder die EU, noch Großbritannien davon profitieren würde.

Soweit die Theorie.


Siehe auch:

Safe Harbor / Privacy Shield: Datenschutz ist nicht gleich Datenschutz

Für viele mag die Meldung, dass Facebook nun als Konsequenz aus dem gescheiterten Safe Harbor Abkommen seine/unsere Daten in Europa lassen soll, eine gute Meldung sein. Das merken offenbar zumindest einige französische Datenschützer an, wenn ich den Artikel „Datenschützer wollen Facebook zwingen, Daten in Europa zu lassen“ richtig interpretiert habe, der neulich auf der Homepage der Süddeutschen Zeitung zu lesen war. Für mich ist das alles andere als eine gute Meldung. Mir wird geradezu schwindelig, wenn ich an die Konsequenzen denke, die uns aus einer konsequenten Umsetzung des Safe Harbour Abkommens blühen könnten.

„Europäische Daten“ in Europa speichern?!

Zunächst einmal stellt sich mir die Frage: wie soll das gehen? Europäische Daten in Europa speichern? Klingt vielleicht erstmal einfach. Das Geschäftsmodell von Facebook ist allerdings das globale Verbinden – von Menschen, von Interessen, von Daten. Und das ist so ungefähr auch das Grundprinzip des Internets. Ein Server schickt eine Anfrage an einen anderen Server – dieser beantwortete dann die Anfrage. Und beide Server protokollieren diesen Vorgang – egal, wo sie stehen. Und das Protokollieren solcher Vorgänge gehört wiederum zum Funktionsprinzip des Internets.

Grundsätzlich ist da eigentlich auch nichts zu befürchten – die Internetprotokolle könnten auch datenschutzkonform / anonym funktionieren. Bei Facebook wird dem Funktionsprinzip entsprechend natürlich ziemlich genau protokolliert, wer welche Anfrage stellt – sonst würde man ja nie irgendwelche „Freunden“ „folgen“ können.

Wenn nun aber europäische Richtlinien verlangen, dass europäische Daten bitte nur in Europa gespeichert werden dürfen – was dann? Dann wird im besten Falle darauf gehofft, dass der ‚Rest der Welt‘ (ca. 80% der Facebook-Nutzer) damit einverstanden ist, seine Daten in Europa zu speichern. Das kann aber wiederum nur funktionieren, wenn kein anderes Land darauf besteht, die Daten seiner Nutzer ausschliesslich national zu speichern.

Alternativ müsste man sich besorgt fragen, ob Dienste wie Facebook in Zukunft überhaupt noch europäischen Richtlinien gerecht werden können. Dann könnte das ganze aber ordentlich nach hinten losgehen – und nicht nur für Facebook.

Was ist das eigentliche Datenschutz-Problem?

Niemand wird gezwungen, Facebook oder irgendeine andere Webseite zu nutzen. Niemand muss seine Fotos und Geschichten auf einen Server in den USA zu laden. Und im Prinzip ist es jedem selbst überlassen, was er im Internet von sich preisgibt. Und wer nichts zu verbergen hat, hat eben nichts zu verbergen. Schon klar. Aber darum geht es hier ja vermutlich auch gar nicht. Es scheint der EU-Kommission vielmehr um die Datensammlung zu gehen, die Facebook so ganz nebenbei anlegt – auch wenn man gerade nicht eingeloggt ist.

Facebook sammelt auf Millionen Webseiten Informationen mithilfe der sogn. „Like-Buttons“ – eine Praxis, die vielen missfällt. Mir auch. Aber auch andere Firmen und Institutionen sammeln „nebenbei“ Daten – ohne dass man dem direkt zustimmt. Zunächst fällt einem vielleicht die Werbeindustrie ein, die über Werbebanner bestimmte Daten sammeln kann. Aber letztendlich sammelt grundsätzlich jeder Server ganz ähnliche Daten – Verbindungsdaten – auch schon aus dem einfachen Grund, um die Anfragen und Rückmeldungen bearbeiten zu können, die eben so anfallen, wenn jemand eine Webseite aufruft.

Würde man es mit dem Datenschutz ernst meinen, dann müsste man sich überlegen, wie man es seinen Bürgern ermöglichen kann, das Internet zu benutzen, ohne solche Spuren zu hinterlassen. Aber genau das möchten die Gesetzgeber offenbar nicht.

Safe Harbor / NSA-Überwachung

Und noch ein Einwand: „Nach den Enthüllungen über die NSA-Überwachung könne Safe Harbor nicht garantieren, das in den USA Datenschutzstandards auf EU-Niveau eingehalten würden.“ Nach den Enthüllungen über die NSA-Überwachung kann Safe Harbor aber auch nicht garantieren, das nicht europäische Geheimdienste diese Daten abgreifen und ggf. direkt in die USA weiterleiten.

siehe auch: