Ein BMW i3 des Carsharing-Anbieters DriveNow an einer Ladestation in Berlin Prenzlauer Berg
Foto: T.Bortels/bilderbook.org

Mein höchstpersönliches Problem mit DriveNow

Vor kurzem ist ein guter alter Freund ums Leben gekommen. Er war in einem BMW i3 des Carsharing-Anbieters DriveNow unterwegs. Es war spät, er hatte mit einem alten Schulfreund ein Konzert in Hamburg besucht – und die beiden wollten offenbar nach hause fahren. Sie sind leider nicht zuhause angekommen.

Was war passiert? Die Presse munkelt, dass Alkohol im Spiel war – und dass die beiden zu schnell unterwegs waren. Ich weiss es nicht – ich war nicht dabei. Für mich gibt es zurzeit nur diese Fakten: die beiden hatten eine gute Zeit und haben dann offenbar spontan entschieden, einen BWM i3 des Carsharing-Anbieters DriveNow zu nehmen – selber zu fahren – und nicht z.B. ein Taxi zu nehmen. Auf der Hannoverschen Srasse in Hamburg-Harbug gerieten sie in den Gegenverkehr und kollidierten mit einem Bus.

Mein Problem mit DriveNow

Es gab eine Zeit, da war ich großer Fan von DriveNow. Fast überall und jederzeit verfügbar, so schnell wie ein Taxi, so günstig wie die Öffentlichen. Das war jedenfalls mein erster Eindruck. Ich habe eine zeitlang selber gerne und häufig spontan ein Auto gemietet – mal einen Mini, mal einen BMW, mal mit Gangschaltung, mal Automatik. Ein verfügbares Auto zu finden war nie wirklich schwierig – häufig standen gleich mehrere Modelle in erreichbarer Entfernung. Und eine zeitlang dachte ich, das wäre das ideale Modell, um einfach, schnell und günstig zum Beispiel zu einer Party oder zu einem Konzert zu fahren. Einfach hinfahren, das Auto stehen lassen und mit dem Taxi oder der BVG nach hause.

Dieser positive erste Eindruck hat sich im Laufe der Zeit aber zum Negativen geändert. Zuerst möchte ich mal das Tarifmodell kritisieren. Man bezahlt pro Minute. Je schneller man am Ziel ist, desto günstiger wird es – desto ‚besser‘ oder ‚effektiver‘ war die Fahrt. Seit jahren rege ich mich über die Carsharing-Nutzer auf, die offenbar versuchen, so schnell wie möglich zum Ziel zu kommen – und dementsprechend so schnell wie möglich zu fahen. Und ich kenne das Problem bzw. das Phänomen ja selber: plötzlich fühlt man sich gut, wenn man noch eben eine gelbe Ampel mitgenommen hat – und die Fahrt wird dementsprechend günstiger. Und dann hat man unter Umständen auch noch mit Autos zu tun, die man eben gar nicht, oder nur unzureichend kennt. Ein neuer BWM? Wunderbar – gleich mal testen. Automatik? Egal – so schwer wird’s schon nicht sein. Elektro-Antrieb? Soll ja eine gute Beschleunigung haben. Gleich mal ausprobieren…

So kann es nicht weitergehen

DriveNow muss früher oder später sein Tarifmodell ändern – oder es wird immer wieder zu schweren Unfällen kommen. Wenn man im Internet nach „Carsharing Unfall“ sucht, bekommt man eine erschreckend hohe Anzahl von zum Teil fürchterlichen Geschichten zu lesen. offenbar kommt es regelmäßig zu mehr oder weniger schweren Unfällen. Häufig ist überhöhte Geschwindigkeit die Ursache und/oder Alkohol und/oder der Fahrer verlor die Kontrolle über den Wagen. Auf der Webseite des Carsharing-Watchblog kann man sich einen Eindruck darüber verschaffen, wie häufig und in welchen Orten es zu Unfällen mit Carsharing-Autos kommt.

Was können Carsharing-Anbieter wie DriveNow tun, um solche Unfälle in Zukunft zu vermeiden?

Ich halte zwei Fakoren für die hauptursache solcher Unfälle: Alkohol und überhöhte Geschwindigkeit. Und sowohl rechtlich als auch technisch sollte es eigentlich kein Problem sein, diese beiden Faktoren anzugehen. Dazu folgende drei Vorschäge:

1. Tarifmodell ändern

Die meines Erachtens nach einfachste und evtl. auch effektivste Maßnahme wäre es, das Tarifmodell zu ändern. Anstatt pro Minute abzurechnen, sollte der Preis einer Fahrt pro Kilometer berechnet werden – oder aus einer Kombination beider Faktoren. Es kann nicht sein, dass Raserei durch niedrige Fahrtkosten ‚belohnt‘ wird.

Der Carsharing-Anbieter Drive By bietet genau dieses Tarifmodell bereits heute an – offenbar leider mit mäßigem Erfolg. Nur vereinzelt sieht man Fahrzeuge von Drive By. Aber das muss ja nicht so bleiben – letztendlich habe ich die Hoffnung, dass sich doch das meiner Meinung nach vernünftigere tarifmodell durchsetzt.

2. Verfügbarkeit einschränken

Carsharing-Autos sind in vielen deutschen Großstädten fast überall und zu jeder Zeit verfügbar. Wenn man eine entsprechende Mitgliedschaft abgeschlossen hat kann man quasi jederzeit und überall „einfach mal“ ein Auto mieten – und fahren. Das ist insbesondere dann besonders verlockend, wenn man vielleicht gerade die letzte U-Bahn verpasst hat, oder einfach keine Lust hat, auf den Nachtbus zu warten oder ein Taxi zu nehmen. Im Prinzip kann diese Verfügbarkeit ja auch sehr praktisch sein – wenn der Fahrer aber zuvor Alkohol getrunken hat, kann das fatale Folgen haben.

Durch den Einbau einer „Alkohol-Wegfahrtsperre“ ließe sich das Problem so gut wie aus der Welt schaffen. Zumindest ließe sich die Verfügbarkeit für alkoholisierte Personen einschränken. Will man ein Auto zum Beispiel zwischen 22Uhr und 6Uhr mieten, kann man es nur starten, wenn man zuvor einen eingebauten Alkoholtest (auch bekannt als „Alcolock“) bestanden hat. Hat man hingegen zuviel getrunken, bleibt das Auto stehen.

Das mag jetzt vielleicht zu futuristisch klingen – ist in Schweden durchaus schon seit Jahren üblich, wie ZEIT ONLINE in dem Artikel ‚Pusten, damit der Motor läuft‚ bereits 2012 berichtet. In Schweden dürfen Arbeitgeber von ihren Mitarbeitern verlangen, dass sie sich vor Fahrtantritt einem Alkoholtest unterzeihen. Volvo hat mit dem „Alcoguard“ das passende Produkt am Markt.

3. Geschwindigkeit drosseln

Moderne Navigationsgeräte wissen fast auf den Meter genau, welche Geschwindigkeitsbegrenzung gerade aktuell ist – wie schnell man gerade fahren darf. Technisch sollte es also eigentlich kein Problem sein, Carsharing-Fahrzeuge so auszurüsten, dass immer nur die gerade erlaube Höchstgeschwindigkeit gefahren werden kann.


Ich hoffe sehr, dass zumindest mehr über dieses Thema und diese Problematik gesprochen wird. Zeitbasierte Tarifmodelle stellen ein Risiko dar – darüber muss man hoffentlich nicht streiten. Ob auch meine anderen beiden Vorschäge früher oder später mal zum Standard werden läßt sich zum gegenwärtigen zeitpunkt nicht abschätzen – die Carsharing-Anbieter werden sich vermutlich mit allen Kräften dagegen wehren – denn sie müssten letztendlich eingestehen, dass es ein Problem gibt. Und ja – ich möchte es nochmal sagen: es gibt ein Problem. Und das ist nicht nur mein höchstpersönliches Problem.

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