Die Stille im Corona-Lockdown

Wir sind wieder einmal in das Haus meiner Eltern geflüchtet. Berlin wurde uns allmählich zu anstrengend – und da wir uns nicht an Schulferien oder andere Verpflichtungen halten müssen fiel die Entscheidung nicht schwer.

Das Haus meiner Eltern ist auf dem Lande – in einem Dorf in Norddeutschland. Hier war auch vor Corona schon nicht viel los. Menschen kommen gerne in diese Gegend, um die Stille zu genießen. Und auch ich mag die Stille. Keine Autobahn, kein Flughafen, keine Industrie – viel Natur, ein bisschen Landwirschaft, Stille.

Als Jugendlicher fand ich es manchmal sogar nicht still genug. Und mit Stille meine ich jetzt nicht die Abwesenheit von Lärm oder die Abwesenheit jeglicher Geräusche – sondern vor allem die Abwesenheit von Geräuschen, die durch menschliche Aktivität verursacht werden: Traktoren, vorbeifliegende Flugzeuge, ein Auto in der Ferne – manchmal auch der Motor eines Elbkans.

Natürlich gibt es tagsüber mehr solcher Zivilisationsgeräusche, als nachts. In der Nacht ist es daher immer etwas stiller, als am Tag. Aber eben auch nachts war immer irgendeine menschliche Aktivität zu hören – vor allem Autos, die in der Ferne von einem Dorf zum anderen fuhren – oder auch Musik und Lachen, wenn jemand in einem der umliegenden Dörfer etwas zu feiern hatte. Mich hatte das immer ein wenig genervt. Da lebt man nun schon in einer der am dünnsten besiedelten Regionen Norddeutschland, sitzt quasi mitten in der Natur – und trotzdem muß immer irendwo irgendjemand die Stille durchbrechen.

Im Lockdown war das dann anders. Nun gab es endlich mal keine von Menschen verursachten Geräusche. Keine vorbeifliegenden Flugzeuge, keine Autos in der Ferne, keine Feiern, keine Musik, kein Lachen. Nichts. Nur Stille. Eine bedrückende, fast ohrenbeteubende Stille.

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