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Nokia verkauft Mobiltelefonsparte an Microsoft

Nein nein nein! Das darf doch wohl nicht sein!! Wieder so ein Thema, das ich meine, lange im voraus erahnt zu haben – und wieder keine entsprechende Wette abgeschlossen!!!

Aber ich fange mal lieber vorne an: Die Anzeichen waren ja doch ziemlich deutlich sichtbar – so deutlich, dass meine Vorhersage, Microsoft wolle mittel- bis langfristig Nokias Mobiltelefongeschäft übernehmen, kaum als Vorhersage taugte. In Helsinki, in Malmö, in Berlin, in Espoo, in Nokia: die Spatzen pfiffen es von den Dächern.

Aber ich wollte es trotzdem nicht glauben – das wäre ja nun auch zu blöd, dachte ich mir immer. Warum sollte der finnische Mobiltelefonhersteller einknicken? Nokia hatte es immer verstanden, gute günstige Telefone für die Massen zu produzierten. Darüberhinaus hat Nokia viele Standards geschaffen, ohne die Mobiltelefonie heute anders aussähe: GSM, SMS, …

Aber nun doch das: Microsoft übernimmt Nokia.
Ich weiss, das entspricht nicht ganz der Wahrheit – aber so fühlt es sich zumindest an.
Über die vergangenen zweieinhalb Jahre hatte Microsoft bereits seinen Fuß in der Tür des finnischen Mobilfunkriesen: Nokia Smartphones der neuesten Generation “Lumia” laufen seit 2010 auf dem mobilen OS “Windows Phone” aus dem Hause Microsoft. Seitdem hatte ich so meine Befürchtungen – und habe die Nachrichten aus Nokia-Land besonders inspiziert. 2010 kam auch ein neuer Chef zu Nokia: Stephen Elop, der zuvor im gehobenen Management,  Bereich Strategiefindung bei Microsoft arbeitete.

Das Lumia bekam dann auch immer wieder gute Kritiken – leider kam nur das neue mobile Betriebssystem zuerst nicht so gut an. Doch es wurde immer wieder beteuert, man arbeite an den Problemen. Seitdem hat sich der Börsenwert des Handyherstellers ungefähr halbiert.

Ist das nun offiziell, oder noch eine Verschwörungstheorie? Jedenfalls scheint Stephen Elop seinen Job in Finnland richtig *gut* gamcht zu haben – für einen Spottpreis kann Microsoft sich die Mobiltelefonsparte einverleiben, Mission accomblished, und Stephen Elop kehrt zurück in die Chefetage von Microsoft. Un-f***ing-fassbar. Irgendjemand überrascht?
Dabei hätte (hätte-hätte) alles ganz anders ausgehen können: Nokia kommt 1996 mit dem ersten Communicator, dem Nokia 9000 auf den Markt: Fax, Email, Adressbuch, Web-Broswer – und das alles zu einer Zeit, als kaum jemand w  Ab der dritten Generation läuft das Smartphone auf mobilen OS Symbian, das sich schnell zum Standard etabliert. Doch leider wird das Konzept nicht weiter entwickelt – im Februar 2007 kommt der letzte Nokia Communicator, das E90 heraus. Knapp ein halbes Jahr später bringt Apple das erste iPhone auf den Markt.

Wo ist Nokia?

wilkommen zum zweiten Teil des Nokia-Spezials bei tillintallin.

..wo ist Nokia?
-> Nokia ist hier.
(der Link führt zu maps.google.com)

Nokia ist ja nicht nur inzwischen quasi das Synonym für ‘Mobiltelefon’ – bzw. der zur Zeit international erfolgreichste Hersteller von Mobiltelefonen – Nokia ist auch immernoch der Name der kleinen Stadt in Mittelfinnland, wo vor über 100 Jahren alles begann. Ursprünglich hat sich der Finnische Handy-Hersteller NOKIA nach genau dieser Kleinstadt benannt. Ein Blick auf die Landkarte: Das Städtchen Nokia liegt ein paar Kilometer südwestlich von Tampere, halbwegs idyllisch zwischen Wäldern und Seen und einer Schnellstraße. Nokia hat knapp 30.000 Einwohner, davon ca. 2700 im Produzierenden Gewerbe tätig. In Nokia gibt es keine Nokia-Fabrik – und auch kein Mobiltelefonmuseum. Immer wieder suchen Touristen vergeblich sowohl nach dem einen, als auch nach dem anderen.

Das Wunder von Nokia
Lange Zeit war Finnland selbst ein Art ‘Billiglohnland’ – und froh über jeden ausländischen Investor, der bereit war, in Finnland zu investieren und so Arbeitsplätze zu schaffen. Im Laufe der Zeit hat sich dann viel geändert. Heute ist Finnland weit davon entfern, in die Kategorie ‘Billiglohnland’ gesteckt zu werden.

Die Geschichte der heute unter dem Namen Nokia bekannten Firma begann vor über 100 Jahren im kleinen Städtchen Nokia. Damals war die Firma noch eine Papiermühle. Später wurden dann die legendären Nokia-Gummistiefel produziert, von denen jeder Finne wenigstens ein Liedchen singen kann. Auch Autoreifen und Kabel wurden in Nokia / bei Nokia produziert, bevor man in den 60er Jahren dann zunehmend elektrische und elektronische Produkte herstellte. 1981 kam dann der große und gewagte Sprung ins Mobiltelefonzeitalter – der die Firma letztendlich zu dem machte, was sie heute ist: Hersteller der weltweit beliebtesten Mobiltelefone.

Werksschließungen, Umzüge und Restrukturierungen waren in der Firmengeschichte immer an der Tagesordnung. In Finnland gab es immer wieder z.T. heftige Diskussionen um die fortwährende Verlagerung von Produktionsstandorten ins Ausland – letztendlich ist der Bochumer Standort aus Finnischer Sicht auch ein ‘ausgelagerter’ Standort. Doch wenn man sich das Städtchen Nokia und die Firma Nokia heute betrachtet wird schnell klar, daß ‘das Wunder von Nokia’ nicht möglich gewesen wäre, wenn Nokia in Nokia geblieben wäre.

siehe auch:
“The Story of NOKIA” bei nokia.com
“Nokia” (Stadt) bei Wikipedia.org)
“Nokia” (Firma) bei Wikipedia.org)

Nokia, Bochum, und so weiter..

ganze vier Tage lang konnte ich meine Klappe halten – aber mittlerweile wird mir die “Diskussion” um Nokias geplante Werksschließung in Bochum einfach ein wenig zu bunt – und ich sehe mich geradezu gezwungen, die Kommentare der vergangenen Tage kommentieren. Alle anderen scheinen ihren Senf ja schon abgegeben zu haben….zum Beispiel Nordrhein-Westfalens Wirtschaftsministerin Christa Thoben (CDU), die dem Finnischen Handy-Hersteller Nokia “Subventions-Tricksereien” vorwarf und das Unternehmen vor einem “gewaltigen Imageschaden” warnte.

..Nordrhein-Westfalens Ministerpräsident Rüttgers hingegen beschimpfte den ehemals ach-so-sehr geliebten Investor, Arbeitgeber und Steuerzahler Nokia sogar als “Subventionsheuschrecke”!

Sogar zu Boykott-Aufrufen sind sich die Politiker nicht zu schade – und nehmen damit eine Welle von Europa-Skepsis billigend in Kauf. Rainer Wend, wirtschaftspolitischer Sprecher der SPD-Bundestagsfraktion, ließ die “Frankfurter Rundschau” wissen, daß er künftig nicht mehr mit Nokia-Handys telefonieren werde.

Laut BILD-zeitung soll Bundesverbraucherminister Horst Seehofer (CSU) gesagt haben, daß er aus Solidarität mit der Bochumer Nokia-Belegschaft vorhabe sein Nokia-Handy gegen ein Handy eines anderen Herstellers zu tauschen – und auch SPD-Fraktionschef Peter Struck habe vor, sein Nokia zurückzugeben.

Zugegeben: Nokia hat sich bei der Bekanntgabe der schlechten Nachricht nicht besonders diplomatisch verhalten. Und richtig echte Entlassungen schmerzen natürlich viel mehr, als “sozialverträglicher Stellenabbau” oder eine “Auslagerung” von Arbeitsplätzen – wie zB neulich bei BenQ geschehen. Auch die Telekom hat gerade ähnliches vor – hier sollen ca. 35000 Stellen “ausgelagert” werden. Falls dann Kündigungen aktuell würden hätte man einem möglichen Imageverlust so geschickt vorgebeugt.

Ich kann mir diese heftigen Trotz-Reaktionen seitens der Deutschen Politiker eigentlich nur damit erklären, daß diese sich einerseits persönlich beleidigt fühlen – und anderereits ein schlechtes Gewissen gegenüber ihren Wählern haben, dies aber hinter der Trotz-Maske verstecken wollen. Immerhin haben sie einem international erfolgreichen Großkonzern Millionen in den Rachen geworfen – und plötzlich will Nokia nicht mehr mit ihnen ’spielen’.. – ..oder ist das schon wieder Wahlkampf..?
..wie auch immer..

..was nun..?

Politiker sollten meiner Meinung nach einfach ein bisschen ehrlicher sein – und den Leuten vielleicht auch mal erzählen, daß “Freie Marktwirtschaft” und “Grenzenloses Europa” nicht nur Chancen – sondern auch Risiken bedeuten können. Außerdem sollte man dringend die Subventionspolitik überdenken – dann kommt es zukünftig vielleicht nicht mehr zu solchen ‘Mißverständnissen’..

Und dann muß ich noch sagen:
..JA! – ich liebe mein Nokia! ..und JA! – ich bin froh, daß mein Nokia ein Stück “High Tech” “made in Europe” ist.. – ..und wenn mir irgendjemand sein ausgedientes N95 schicken möchte hätte ich nichts dagegen..:]

Gruß, t..

PS: alle Politiker-Zitate, Spekulationen und Berichte etc. habe ich bei www.netzeitung.de gefunden. Siehe auch “Erste Kündigungen nach angekündigtem Nokia-Aus” bei heise.de – und die momentan auf knapp 300 Beiträge angewachsene Diskussion zum Artikel “Erste Kündigungen..”

PS2: Nachtrag: über www.politik-digital.de bin ich gerade auf den “No Nokia -Blog der Nordrhein-Westfälischen SPD gestoßen: nonokia.nrwspd.de
Und die Netzeitung verweist in ihrem Artikel “Nokia – Connecting Blogger” auf unterschiedliche Beiträge, Artikel und Meinungen verschiedener Weblogs – zum Beispiel auf den Beitrag “verneigen vor Verheugen“, in dem Hein Baumgarten aus Hitzacker wiederum darauf hinweist, daß andere Investoren sich teilweise noch vie schamloser ‘bedienen’.. – ..sehr aufschlußreich!